Angetreten zum Integrationsappell!

Angetreten zum Integrationsappell!
Angetreten zum Integrationsappell!

Zwischen Integrationswillen- und -wut w├Ąchst scheinbar schief zusammen, was sowieso nie kompatibel zu sein schien. Wir waren mal Papst und sind (noch) nicht Burka. Dazwischen liegt nicht nur grammatisch betrachtet eine gro├če L├╝cke: Zwischen Vergangenem und futurischem Pr├Ąsens (das andere gerne in eine reine Fiktion verwandeln m├Âchten), tummeln sich all jene, die dieses Vakuum besetzen wollen – mit ihrer Deutungshoheit ├╝ber Deutschland als Ein-, Zu- oder Abwanderungsland. Das kann dauern. Also lasst uns ein bisschen Kurzweil in diese langatmige Apnoe migrieren und den Marktplatz der Wahlkampf-Vanitas betreten:

Die Integrationskapelle
Endlich betritt sie die B├╝hne, die Integrationskapelle, die ihre dissonanten Integrationsinstrumente erst einmal stimmen muss. Gut, dann schnell mal an den Grill. „Hallo, Herr Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizi├Ęre. Ich h├Ątte gerne eine Flasche Pommes! Ist aus? Hmm, dann vielleicht ein saftiges Steak mit alles? Keins da? Vielleicht ne saftige Sucuk? Ja, haben Sie?! Super, dann bitte einmal mit Ihrem Integrationsskalpell kulturell fein filetieren, dann kann man das besser kauen und verdauen. Ob noch was dazu kommt? Ja, bitte, eine Portion Pizza Partigiano und einen Latte Maggiore f├╝r mein Migrationsgem├╝t. Ach so, Migration k├Ânnen Sie nicht mehr h├Âren? Ok, sorry, dann halt ’nen Instant-Kaffee auf die Integration!“

Hut ab, Herr H├Âcke_phixr ┬ęMarcello Buzzanca

Hut ab, Herr H├Âcke_phixr ┬ęMarcello Buzzanca

Oben auf der B├╝hne hat sich die Integrationskapelle mittlerweile schunkelnd in die Aufnahmegesellschaft integriert. Ich ├╝berlege noch, wie das mit dem H├Ąndesch├╝tteln gehen soll, wenn man einen Arm weit/breit Abstand zueinander halten muss, als die AfD-Comedy-Truppe die B├╝hne betritt. Poetry Trash Slam at its finest. Szenische Lesung der Bundesprogrammkommission. Punkt 9 .6: Einwanderungskriminalit├Ąt: Nichts verschleiern – Nicht verschweigen. Super Warm-Up f├╝rs pennende Publikum.

05 Leitkultur, 2015 ┬ę Thomas Pla├čmann

┬ę Thomas Pla├čmann

Ok, wir wollen mehr h├Âren von der „Partei des gesunden Menschenverstandes“, die auch in ihren patriotischen Plattit├╝den grandiose Sketch-Qualit├Ąten aufweist. Nach inzwischen siebzehn Jahren der systembedingt erzwungenen, marktfernen W├Ąhrungsregulierung fordern sie, das Experiment Euro geordnet zu beenden. Ich denke an Dr. Bunsen Honeydew und Beaker von der Muppets Show, kann aber keinerlei ├ähnlichkeiten zwischen den beiden Kultcharaktern und Alexander Gauland und Alice Weidel erkennen. Zumindest nicht ├Ąu├čerlich. Au├čer vielleicht, dass den beiden AfD-K├Âpfen ihr volkst├╝mmelndes Gebr├Ąu hoffentlich bald um die Ohren fliegt.

TdM und seine 10-Punkte-Planierraupe
Langeweile macht sich breit, als die AfD die wirklich beinl├Ąhmende Schenkelklopfer aus ihrem Zylinder zaubert: Das deutsche Gold muss heim ins Reich geholt werden. Deutsche Literatur soll k├╝nftig nur in Deutschland digitalisiert werden. Hier und da noch ein bisschen Gehetze gegen Gender-Mainstreaming und volle Breitseite gegen den Doppelpass, wobei sinnvolle und notwendige Ausnahmen (also wahrscheinlich Reichsb├╝rger- und deutsche Staatsangeh├Ârigkeit) nicht ausgeschlossen werden sollten. Na ja, und dann eben das ├ťbliche Gezeter und die wirre Aneinanderreihung von Forderungen, die nur in einem konservativen und konspiratorischen Bierkeller entstanden sein k├Ânnen.

Dann doch lieber zur├╝ck zu Dr. Thomas de Maizi├Ęre und seiner 10-Punkte-Planierraupe, die alle Integrationsw├Ąlle platt walzt, bis man so flach ist, dass selbst die kleinste verdachtsunabh├Ąngige Kontrolle zu gro├č ist und man patriotisch den grenznahen Raum passieren kann. TdM nimmt jetzt richtig Fahrt auf: Wir sind nicht Burka, sondern Schleier- aka Shadorfahndung! Wunderbar, dieser Wortwitz!

┬ęclipdealer.de_Media ID: A65330364

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Integrationszug
Auf der anderen B├╝hne ringt die Initiative Kulturelle Integration um Aufmerksamkeit. Die 15 Thesen f├╝r Zusammenhalt in Vielfalt nageln sie an den akademischen und intellektuellen Diskurs und genau dort bleiben sie auch h├Ąngen. Weil kaum einer es versteht oder es so selbstverst├Ąndliche Dinge sind, die man nicht extra postulieren muss. „Das allt├Ągliche Zusammenleben basiert auf kulturellen Gepflogenheiten.“ Hei├čt: Wer weder Mahlzeit noch Kantine noch das Bundeskleingartengesetz (BKleingG) kennt und/oder respektiert, hat in Deutschland nichts verloren. „Deutsche Sprache ist Schl├╝ssel zur Teilhabe.“ Nix verstehen, was Du sagst will! „Religion geh├Ârt auch in den ├Âffentlichen Raum.“ Sag das mal dem Lokalpolitiker der Linken, der durchgesetzt hat, dass damals in der Grundschule meines Sohns nicht nur die Kreuze abgeh├Ąngt, sondern sogar die Krippe unterm Weihnachtsbaum entfernt wurden.

Ich frage mich derweil, was wohl die SPD zu sagen hat. Schulz! Punkt. Ok, und die Gr├╝nen? Bringen die wenigstens ein bisschen Farbe ins triste Integrationsbingo? Sicher nicht mit ihren Talentkarten, die man als Einwanderer einl├Âsen kann f├╝r eine Fahrt auf dem Karussell der Liberalisierung und Entb├╝rokratisierung arbeitsplatzgebundener Einwanderung, die wiederum durch ein rein angebots- und potenzialorientiertes Arbeitsmigrationsrecht Auftrieb erfahren soll.

Gr├╝n kommt_phixr

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Der rettende Reichsb├╝rgerbarde
Hinter mir pl├Âtzlich lautes Geschrei: Savior Neid-Du, der Reichsb├╝rgerbarde, ruft zum offenen Casting f├╝r alle Kreuzritter-K├╝nstler des Abendlandes auf . Das lassen CDU und FDP nat├╝rlich nicht auf sich sitzen. Sie haben Bl├Âdelbarde Mike Kr├╝ger engagiert und der intoniert alsbald:

Sie m├╝ssen erst den Lindner durch den Laschet ziehen
Und mit dem W├Ąhlerhebel ganz nach oben dreh’n
Da erscheint sofort ein Pfeil
Und da dr├╝cken sie dann drauf
Und schon kommt schwarz-gelbe Pampe raus.

Au├čerparlamentarische Popposition
Da tippt mir ein Typ (m/w) auf die Schulter: Es ist die eine Stimme Mehrheit der Schwarz-Gelben Koalition. Sie sagt: „Wir sind nicht der liberale Arbeitskreis der CDU, aber wir werden es bald sein.“ Nach 5 Jahren in der au├čerparlamentarischen Popposition muss man den anderen auch mal wieder liberal in den Hintern treten – und sei es als verl├Ąngerte Stiefelspitze der Christdemokraten und taktisch a tergo – also von den hinteren B├Ąnken kommend.

Au├čerdem, so suggeriert mir die Stimme, solle ich mich nicht st├Ąndig lustig machen – ├╝ber German Mut und dass sie, die FDP, als Alternative f├╝r die ungeduldige Mitte, Sport als Schl├╝ssel zur Integration und Inklusion sieht, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Anlagen bei Sport und Spiel zueinander finden k├Ânnen. Ich verkneife mir die Frage, ob man also Menschen mit k├Ârperlicher und geistiger Behinderung und Menschen mit Migrationshintergrund mit Sport bei Laune und vor allem raus aus wirklich relevanten Gesellschaftsbereichen halten will, denn pl├Âtzlich f├Ąllt mir ein, dass ich die Linke noch gar nicht geh├Ârt habe. Stimmt ja, die ist mit einem Bein an der 5-Prozent-H├╝rde gescheitert und hat damit Lindner zum Liberalen Laientheater verholfen. Danke daf├╝r!

Symbol f├╝r Mobbing, Aussenseiter und Gleichheit ┬ęclipdealer.de_241546

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Langsam neigt sich die Veranstaltung dem Ende zu. #nrwir sind m├╝de und wollen zu Bett gehen. Hannelore Kraft h├Ąlt derweil die rote Grubenlampe, um allen Irrgeleiteten den Weg zur Wahlurne zu leuchten.
Schlie├člich wartet im Herbst ja noch die gro├če Abstimmung auf uns. Bis dahin will Alexander Gauland viel mehr Fl├╝chtlinge im Land sehen, weil ihm sonst die Themen aus- und die W├Ąhler fl├Âten gehen. Die SPD sattelt ihr Zugpferd Schulz langsam auf Elektromobilit├Ąt um, welche Bundeskanzlerin Angela Merkel dann kassiert . Die Gr├╝nen gr├╝nden eine neue Partei (die Bunten) und k├Ânnen dann endlich per definitionem jede Jamaika- oder Ampel-Koalition eingehen. Am Ende aber wird Martin Sonneborns Schwester Kanzlerin, weil sein Vater nicht Bundespr├Ąsident werden durfte.

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.