Das Eurakel-Debakel

Das Eurakel-Debakel
Das Eurakel-Debakel

Wir schreiben das EURO Jahr 1988: Ein kleines BĂŒchlein in gefĂŒhltem A7-Format reicht mir aus, um eine Fußballeuropameisterschaft in Krikke-Krakkel-Handschrift akribisch fĂŒr die Nachwelt zu katalogisieren. 8 Mannschaften, zwei Gruppen, zwei Wochen. Kaum Überraschungen, was Teilnehmer, Sieger und Verlierer angeht. Am 25. Juni fĂŒhren Ruud Gullit und Marco van Basten die Oranjes auf das verdiente Siegertreppchen im MĂŒnchner Olympiastadion und schicken die Sowjets zurĂŒck hinter den bereits bröckelnden Eisernen Vorhang.

EM 1988

EM 1988

Die erste Multikulti-Truppe, in der vor allem der KapitĂ€n durch seine Dreadlocks/Rastas ein sichtbares Zeichen fĂŒr DiversitĂ€t setzt. Er ist NiederlĂ€nder, aber eben anders, so wie Frank Rijkaard auch. Sie sind schwarz, athletisch, locker auf den Beinen und beim selbstlosen Verschenken ihrer KörperflĂŒssigkeiten.

Sie sind frisch und fit und haben orangene Trikots an, die sie mit Stolz tragen. Zudem akzentuiert die Farbe ihren dunklen Teint. Dazu noch die viel zu engen Hosen und schon sind auch die Fußballspielerfrauen und Fußball spielende Frauen stuk van deze Anblick.

EM-Endspiel_1988

EM-Endspiel_1988

La verité ist mir egal
Wir schreiben das Jahr 2016. Gullit, Rijkaard und van Basten haben mittlerweile ihre Klompen an den Nagel im Hausboot gehĂ€ngt. Jetzt reichen kaum ein A3-Plakat und ein Abschluss in Organigrammistik, um die 24 Mannschaften auf dem Schirm zu behalten. Am 25. Juni werden erst die Achtelfinals beginnen, die man 1988 noch ĂŒbersprang, um gleich in die richtigen K.O.s gehen zu können. Damals nĂ€mlich stieg man direkt und quick and dirty in die Halbfinals ein und sparte sich das Achtel-Viertel-GeplĂ€nkel. Die Euro 2016 hat natĂŒrlich einiges an Überraschungen im Kicker-Stiefel, was Teilnehmer aber auch Nicht-Teilnehmer angeht.

Bis auf Schottland ist das gesamte insulare Empire vertreten. Und Irland. Da die Briten fĂŒr den Brexit stimmen, wird ihr Geld plötzlich wertlos in Frankreich. Zudem auch ihre PĂ€sse. Sie werden ausgewiesen und mit fliegenden KĂŒhen zurĂŒck auf die Insel telepathiert.

EM_1988

EM_1988

Die IslĂ€nder reisen gleichsam Pinocchio im Bauch ihrer Transportwale an und mĂŒssen vor jedem Spiel Björk-Lieder hören und sich das Konterfei der Island-Ikone auf den Unterarm tĂ€towieren lassen. Das macht aggressiv. So wie Wikinger die Einsicht, dass Grönland karg und Island grĂŒn war.

Die Albaner fĂŒhren die Gruppe A an, alphabetisch eben. Und die Ersatzspieler rĂ€umen die Spinde der Gegner aus, bevor sie wieder nach Hause fliegen. Das wiederum bringt die Schweizer aber nicht aus der Ruhe, denn sie stimmen dann bei der nĂ€chsten Volksabstimmung einfach pro bedingungsloses Grundeinkommen.

EM 1988 Gruppenphase

EM 1988 Gruppenphase

Und dann bauen sie noch den Gotthard-Basistunnel weiter bis nach Paris aus – und zwar innerhalb einer Woche – um nach dem Ausscheiden nicht auf die französischen Jean-Foutres (also Faulenzer) angewiesen zu sein. Außerdem mĂŒssen sie sowieso abreisen, weil Shaqiri und Xhaka beim AusrĂ€umen der Schweizer Spinde erwischt wurden.

Der Gastgeber Frankreich wird wohl weiterkommen, allerdings nicht sehr weit, zudem ohne Metro und ohne PrÀsident. Der nÀmlich ist gar nicht dabei, weil die Niederlande zu Hause geblieben sind. Stattdessen wird Frau Le Pen erscheinen und Pogba, Coman, Sissoko, Martial, Kanté und Co. des Feldes verweisen.

Die Polen haben sich aufgrund ihres Anaconda-Manöver-Hostings unbeliebt bei den Russen gemacht, die darauf kurzerhand die polnischen Kabinen und zudem den Mannschaftsbus annektieren bzw. den russischstĂ€mmigen Zeugwart als unterdrĂŒckte Minderheit befreien. Und wenn die Russen schon dabei sind, werden sie auch gleich die Ukrainische Umkleide stĂŒrmen.

Krakus Korruptus

Krakus Korruptus

Die TĂŒrkei wird indes versuchen, mit Spanien und der Tschechischen Republik weitere FlĂŒchtlingsdeals auf dem Feld abzuschließen, was wiederum fast zu ihrem Ausscheiden fĂŒhrt. Doch dann interveniert Erdogan. Er kritisiert, dass eine vom ihm demokratisch bestimmte Mannschaft nicht mit dem verdorbenen Blut von irgendjemandem vermengt werden darf. Folglich mĂŒsse seine Mannschaft immer alleine auf dem Platz stehen. Im GepĂ€ck hat er 1 Millionen FlĂŒchtlinge, die vor den Toren des Parc des Princes und des Parc de Nices kampieren und seiner Forderung Nachdruck verleihen. Also qualifiziert sich die TĂŒrkei fĂŒr die nĂ€chste Runde.

Österreich und Ungarn werden wieder zu Österreich-Ungarn und haben auch gleich ein bisschen Zaun fĂŒr ihre Fans mitgebracht. Kroatien steckt noch auf der Balkanroute fest und den Slow Venen bleibt das Blut im Fuß stecken.

Euro_1988_Eintrittskarte ©Marcello Buzzanca

Euro_1988_Eintrittskarte ©Marcello Buzzanca

Zlatan Ibrahimovic will die Schweden zwar zur EM-Krone fĂŒhren, fliegt aber beim entscheidenden Spiel nach Manchester, um bei United seinen Vertrag zu unterschreiben. Das aber geschieht genau am 23.6., also dem Brexit-Tag. Die Folge: Das Königreich bezahlt AuslĂ€nder kĂŒnftig in Kingdom Coins und Fuck yEU-Pennies, einer WĂ€hrung, die sonst keiner will oder akzeptiert. Nicht einmal die Schotten. Also sitzt Ibra auf der Insel fest.

Die Italiener werden die Gruppenphase verpassen, weil sie weinen wie die MĂ€dchen, alles Gelati sind und die Pomade in den Haaren einfach nicht sitzen will in Toulouse und Lyon. Hinzu kommt, dass sich Arrigo Sacchi und Roberto Mancini wieder zu Wort melden und beklagen, dass es zu viele Schwarze und AuslĂ€nder mit italienischen Wurzeln (die allerdings irgendwo tief unterm Stammbaum hĂ€ngen) gibt. Zu viel Oridundismo und Passaportopoli, also Herkunftsgeschacher und HĂŒtchenspielen mit Ausweisen. Die beiden Altmeister setzen sich durch, verbannen Èder, Ogbonna und El Shaarawy und dazu noch Lorenzo Insigne (weil der auch so braun ist) und Graziano PellĂš (sie hatten das L ĂŒbersehen). Das macht Antonio Conte so sauer, dass er nach Vaffanculo fĂ€hrt – und seine Mannschaft mitnimmt.

Europameister wird am Ende natĂŒrlich Deutschland, aber nur fast. Denn beim Grande Finale erscheint plötzlich der feiste Fifa-Geist des Michel Platini, gemeinsam mit Jupp Blatter. Hand in Hand erklĂ€ren sie, dass die Bonuszahlungen an den kĂŒnftigen Europameister Transnistrien sauber und fair abgelaufen seien.

Fußballer EM 1988_3

Zudem erwehren sie sich aufkommender SelbstbereicherungsvorwĂŒrfe ob der Tatsache, die nĂ€chste EURO in Nordkorea durchzufĂŒhren. Proteste? Absurd! Wenn Australien am European Song Contest teilnehmen kann, wieso dann nicht ein europĂ€isches Fußballturnier in einem asiatischen Land austragen? Denn wĂ€ren FIFA und UEFA ein Staat und nicht nur bloß eine Art Loge, wĂŒrde Nordkorea gemĂ€ĂŸ Corruption Perceptions Index wohl noch hinter diesem in der Schweiz sitzenden Korruptionskonglomerat liegen.

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Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.