Das Mothership der Migration: Star Treks halbes Jarhundert

Das Mothership der Migration: Star Treks halbes Jarhundert
Das Mothership der Migration: Star Treks halbes Jarhundert

Vor fĂŒnfzig Jahren wurde die erste Folge von Star Trek ausgestrahlt. Zur Halbzeit des JubilĂ€ums stieg der Schöpfer des SciFi-Universums leider und unwiderruflich aus. Gene Roddenberry starb im Oktober 1991 und seither wird versucht, seine Asche mit allen möglichen Mitteln im All zu verteilen, wahrscheinlich um den Stoff fĂŒr eine neue Enterprise-Staffel zu haben: Roddenberrys‘ ashes assualt. Außerdem scheint selbstverstĂ€ndlich, dass der Schöpfer der Sternenschiff-Saga auch einen entsprechenden Star auf dem Hollywood Walk of Fame bekommen hat.

Ich jedenfalls stieg genau dann in meine irdische Existenz ein, als sich das Raumschiff Enterprise fortan auch ĂŒber deutsche Wellen in die Wohnzimmer der damals schon bunten Republik trekkte.

Gerade weil 1972 noch kaum jemand in Farbe dachte, wenn es um den heimischen Raum ging, funktionierte der Diversity-Transponder umso besser fĂŒr die Weiten des Alls. Weit draußen im Raum, weit genug, was die Zukunft angeht. Außerdem waren es doch schon immer eher die Gadgets und Uniformen, die man als Trekkie liebte, imitierte und in terrestrische Gefilde beamen wollte – nicht das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Menschen und Temperamente auf einer KommandobrĂŒcke und darunter/darĂŒber hinaus.

Nasa Jet Propulsion Laboratory California Institute of technology_bearb. mit Fotor

Nasa Jet Propulsion Laboratory California Institute of technology_bearb. mit Fotor

Multikulti-Kosmos auf singulÀrer Sternenfahrt
Sollte man also Abstand davon nehmen, das Hohelied auf die Enterprise als Mothership der Integrations- und Inklusionsutopie zu singen und stattdessen als das sehen, was es eben ist, nĂ€mlich Migration mit Space-Synapsen, die die Übertragung von Erregung und die Art und Weise, wie Signale gesendet werden, modellieren und modifizieren können? Schließlich war der Erfolg der buntbemannten- und -befrauten Trek-Truppe einer, der auf Wiederholungen und nicht zuletzt auch auf dem Exodus in europĂ€ische RĂ€ume basierte.

Insofern ist wohl auch der Lobgesang auf die Warp-Geschwindigkeit der Crew in Sachen gelungenes Multikulti-Modell wohl eher als Nachhall zu verstehen. Am besten zu genießen, wenn die Melodie mit einem Theremin gedudelt wird – berĂŒhrungslos, sphĂ€risch und ein bisschen Spock Rock eben.

Es kann zudem kein Zufall sein, dass Lew Termen, der Erfinder dieses ersten elektronischen Instruments in den 1920er Jahren, deutsch-französische Wurzeln respektive origine hatte, spĂ€ter in die USA ĂŒbersiedelte, sich und seinen Namen dort amerikanisierte (Theremin), um Ende der 1930er Jahre in ein Gulag gesteckt zu werden. Dann zwangsarbeitete er fĂŒr den KGB, entwickelte Flugzeuge und Wanzen und anderes Spionagezeug. Das wohlgemerkt aber ein gutes Jahrzehnt, bevor die Enterprise vom Space-Dock lief.

Meine Enterpise-Expertise
Dahin gehend – und das ist meine kĂŒhne These – ist der russische Navigator Pavel Chekov eine Hommage an den Physiker und Q des KGB, Lew Termen. Meine Enterprise-Expertise speist sich vornehmlich daraus, dass ich erst letztes Jahr einem veritablen Sternenfahrer sizilianischer Natur und US-amerikanischer Habits zuhören, sehen und sogar etwas fragen durfte, also sollte ich mich doch mit Raumschiffen auskennen.

Luca Parmitano_4__©K_Pyc_LSI Bochum

Luca Parmitano_4__©K_Pyc_LSI Bochum

Und das kann ich an dieser Stelle sogar untermauern – mit einem logischen (Ka)Nacken-Schlag ganz im Stile des Vulkaniers : James Doohan, der Darsteller von Chef-Ingenieur Scotty, wurde in British Columbia geboren und konnte dennoch mit „Pille“ McCoy, offensichtlich einem Schotten, zusammenarbeiten und gemeinsam mit ihm die derangierten und defragmentierten Hintern von Kirk, Spock und anderen Crew-Mitgliedern immer wieder retten bzw. zusammenflicken.

Space-Spectations
FĂŒnfzig Jahre nach der ersten Ausstrahlung von Star Trek scheint die Begeisterung bis nach Alfa Centauri und weiter zu reichen. Ob die Warp-Geschwindigkeit einen Migrationsdunst auf Erden hinterlĂ€sst, sei dahingestellt. Zudem ist es auch gar nicht so wichtig, denn ein anderer Schiffsbauer möchte nun der Moses der Migration werden.

Spock meets Han Solo

Spock meets Han Solo

Seth Hopper, ein ehemaliger US-Army-Arzt und GrĂŒnder des Startups Respite Solutions, arbeitet gerade daran, ausrangierte Schiffscontainer in mobile FlĂŒchtlingslager umzuwandeln. Er nennt es „FlĂŒchtlingslager in einer Box“. Ins All fliegen und die FlĂŒchtlingskrise damit in extrasolare SphĂ€ren transportieren, kann das Model wohl noch nicht.  Ob es havariert, ist derzeit ebenso offen. Bleibt mir nur noch der Vulcan Wut-Salute. Live long and prosper und möge die Migration mit uns sein.

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.