Die Gebrüder Krim

Die Gebrüder Krim
Die Gebrüder Krim

Nachdem Donald Trump monatelang ins Amt gequält wurde, wird er heute, am 20. Januar 2017, nun endlich zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. Dann wird aus dem President-elect der President-erected und manche hoffen, dass er sich dann schnell in den President-ejected verwandelt. Seine Thron-Erektion geht natürlich steil nach oben, zumindest auf die Stufen des Kapitols. Daran können auch die ganzen Hater nichts ändern – alle, die nicht für ihn singen und stattdessen darüber sinnieren wollen, wie die Welt am Tag 1 A.D. aussehen wird.

Donald-Trump-Caricature-_A58752051_©clipdealer.de

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Wahrscheinlich Krimiger, vor allem, nachdem der neue US-Außenminister Rex Tillerson jüngst den legalen Anspruch Russlands auf die Halbinsel im Schwarzen Meer in Frage stellte. Was ihn dazu geritten hat, ist noch unklar. Wermutlich waren es die bitteren Aromastoffe des Wahrheitstrumpstrunks, an dem er vor seiner Senatsanhörung genippt hatte. Oder aber es stach ihn der Stachel des „Ordens der Freundschaft“, den ihm der Kreml vor gut vier Jahren an die Brust getackert hatte.

Spielt aber auch keine Rolle, denn mit Andrew (Aus)-Puzder als künftiger Arbeitsminister kümmert sich quasi nun Rondald McDoanld persönlich um das Miesmachen des Mindestlohns – zum Mitnehmen, wohlgemerkt. Und das stellt meiner Meinung nach alle anderen Kabinett-Kuriositäten in den Schatten.

El Chapos meets Chaos Mauer
Wobei mit Elaine Chao als künftige Verkehrsministerin auch eine waschechte Quoten-Migrationsmimik den Weg für eine doppelbödige Ein-China-Politik ebnen wird. Oder aber, die gebürtige Taipehnesin wird sich eher dem Hürdenlauf beim Einwanderungsverkehr widmen, die Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und El Chapo dazu verdonnern lassen, sein Schicksal buchstäblich in Beton zu gießen. Lebenslang an jener Grenze schuften, über die er an die USA ausgeliefert wurde. Nicht zuletzt wäre damit auch die Frage der Finanzierung der Grenzmauer geklärt, wird diese doch nun aus dem konfiszierten Drogengeldern von Joaquin Guzmán bezahlt. Sean Penn dreht dann noch einen Film darüber und die Einnahmen kommen den Familien jener zugute, die an der Mauer künftig kläglich zugrunde gehen werden.

Davos weht tut
Doch was kümmert uns Europäer eigentlich, was jenseits des Großen Teichs an Techtelmechteln austariert wird? Schließlich haben wir doch hier genug eigene Realkomödien-Rookies.  Therea May, beispielsweise, die den Banxit, also den Auszug der Banken weg von der Insel der Isolierten und hinein in den Schoß des Single Markets, mit ihrer Ankündigung eines harten Brexits befeuerte. Jetzt aber ruderte sie zurück – zumindest  verbal und hofierte die Finanzflüchtlinge ganz offen. Denn wenn UK künftig auf bis zu 67 Milliarden Pfund an Steuereinnahmen verzichten muss, wird die Britische Premier verstehen, was Pain Insula wirklich bedeutet.  Die Schmerzen darüber jedenfalls hat sie im Schweizer Exil der Wirtschaftsweiser öffentlich bekundet.

©clipdealer_A53432411

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Chinas Staatspräsident Xi Jinping kümmerte das so viel, wie der weltweite Widerhall des Umfallen des sprichwörtlichen Reissacks in seiner Heimat. Xi Jinping war nämlich zum ersten Mal beim eidgenössischen Stelldichein der Staats- und Wirtschaftslenker und ermahnte Trump, seinen Protektionismus mal schön stecken zu lassen, sonst wird der Drache die Krallen ausfahren und Einfuhrzölle mindestens so hoch stapeln wie die Mauer zu Mexiko sein wird.

Tajani Tautologie
Am Ende einer bewegenden Woche muss natürlich noch auf den neuen EU-Parlamentspräsidenten verwiesen werden, der Form halber und des Wahnsinns Willen. Mit Antonio Tajani nämlich übernimmt jemand den EU-Vorsitz, dessen früherer Kapo Silvio Berlusconi war. Das wiederum wird Martin Schulz jetzt nicht mehr jucken – als heiß gehandelter K-Kandidat und  künftiger Außenminister hat er jetzt andere Sorgen als sich um den abgaswertmanipulierten Stallgeruch in Straßburg zu kümmern. Keine Zeit also, sich mit Tautologien – d.h. mit der wiederholten Verwendung sinnverwandter Begriffe (Berlusconi und Tajani) – zu befassen.

qwant Screenshot KPD_NPD

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KPD-Verbot
Ebenso gelangweilt waren wohl auch die Verfassungsrichter, was das wieder aufgewärmte Verbotsverfahren gegen die Kommunistische Partei angeht. Das zumindest suggeriert das Taging der Suchmaschine Qwant. Es ging also gar nicht um die NPD als Nischen-Nazi-Partei, sondern um ein Verbot der KPD. Egal, welche Vereinigung der Vergangenheitsverehrer man verbieten wollte: Am Ende sind beide kleinkariert und kack unwichtig und die NPD  eine Art Demokratie-Diarrhoe, deren Krankheitsbild sich mit Courage kurieren lässt.

Hut ab, Herr Höcke_phixr ©Marcello Buzzanca

Hut ab, Herr Höcke_phixr ©Marcello Buzzanca

Das gilt auch für Björn „The Gedenkkultur-Hater“ Höckes geistligen Dünnschiss, der die AfD wohl nun direkt ins Visier des Verfassungsschutzes geführt hat – und damit vielleicht auch vor die Richterbänke in Karlsruhe. Aber was juckt’s Höcke. Dann gründet er eben eine neue Abspaltung der Ewig Gestrigen. Vielleicht eine alphabetische Nachfolgepartei, statt AfD also BfD. Er selbst sollte sich bis dahin besser noch ein bisschen Hirn in sein Haupt pflanzen, bevor er von seinem Denkmal der Schande aus aufs politische Schafott geführt wird.

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.