Du bleibst, was du bist von Marco Maurer: Von Extremaufsteigern, Bildungsbarrierenbrechern und Diversity-Dimensionen

Du bleibst, was du bist von Marco Maurer: Von Extremaufsteigern, Bildungsbarrierenbrechern und Diversity-Dimensionen
Du bleibst, was du bist von Marco Maurer: Von Extremaufsteigern, Bildungsbarrierenbrechern und Diversity-Dimensionen

Einbildung ist auch ’ne Bildung und bei manchen die einzige! Diesen Satz pflegte meine Mutter immer wieder zu sagen, wenn ich ihrer Meinung nach wieder mal zu eitel den Spiegel blockierte. So als Gelato eben, als immer Gel in seinen schwarzen Haaren tragender Italo-Tedesco und Deutsch-Italiener. Nur kam diese Einbildung lange nach meiner Einschulung und auch noch bis zum ersten Kontakt mit den weiblichen Counterparts war mir mein Aussehen schlichtweg egal.

Einschulung 1979 © Marcello Buzzanca

Einschulung 1979 © Marcello Buzzanca

Dennoch trug ich zu meiner Einschulung neue braune Sandalen, ein rotes Hemd mit weißen Schulter – und Brusttaschenklappen, weiße Socken und meine beste Jeans. Schließlich ist der erste Eindruck gerade beim Eintritt in die elitäre Welt der Primarbildung entscheidend und sichert dir spätere Privilegien.

Warum ich aber überhaupt mein Einschulungsfoto aus- und tief in meinen schulischen Erinnerungen gekramt habe, ist das Verdienst eines Mannes, der mit Nachnamen so heißt, wie der Beruf, den mein Vater als ungelernter Arbeiter 40 Jahre lang ausgeübt hat: Marco Maurer. Sein Buch Du bleibst, was du bist – Warum bei uns immer noch die soziale Herkunft entscheidet, hat längst vergangene Etappen meines Bildungswegs in neuem Licht erscheinen lassen.

Marco Maurer: Du bleibst, was du bist. ©Droemer Verlag München

Marco Maurer: Du bleibst, was du bist. ©Droemer Verlag München

Extremaufsteiger mit quadruple-double und Akademlicher Ausländer
Um es vorwegzunehmen: Ich bin ein Extremaufsteiger. Insofern, liebe Mama, dürfte ich heute wohl noch länger und ganz ohne deine Häme mein Spiegelbild bewundern. Denn ich habe es geschafft – vom Angestellten-, Arbeiter- und Ausländerkind zum Akademiker. Quadruple-double und Volltreffer in die Fresse all jener, die uns gerne mundtot machen würden, während wir niedere Jobs verrichten oder uns gänzlich verpissen.

Andererseits bin ich wohl kein so richtiger Akademiker. Das war zumindest immer mein Gefühl und so denkt Marco Maurer zufolge auch Tilman Krause, Literaturlangweiler der WELT. Der nämlich ist davon überzeugt, dass es eine törichte Illusion sei zu glauben, jeder könne nach zwei bis drei Jahren ins Bildungsbürgertum aufsteigen und sich zum Intellektuellen hocharbeiten.

Alles sozialdemokratischer Mist, denn am Ende geht es auch Tilman Krause darum, die Refeudalisierung sozialer Ungerechtigkeiten und die Hegemonie der Hierarchien weiter zu hegen und zu pflegen, indem ein hoher Zaun um die Insignien der Intellektuellen gegen den unbefugten Zugriff schmutziger Arbeiterhände immer wieder neu gezogen wird, der natürlich auch gegen das Eindringen ungehobelter Literatur schützt.

Gut, dann bin ich eben trotz erfolgreich abgeschlossener akademischer Ausbildung nur ein first generation student und damit immerhin ein Pionier. Intelligent und interkulturell, nicht aber intellektuell und immer den stolz den Stallgeruch des Ausländerarbeiterkindes und Sohns einer einfachen deutschen Büroangestellten tragend.

Dieses Menetekel trägt auch Marco Maurer mit sich und durch sein Buch. Er, Sohn eines Kaminkehrers und einer Frisörin mit eigenem Salon, hat so manchen Bildungsübergang gemeistert. Hauptschule, Realschule, Ausbildung zum Molkereifachmann, Studium, Journalistenschule. Jetzt ist er ein vielfach ausgezeichneter Journalist, der am Ende aber weniger verdient, als er wohl jetzt in der Tasche hätte, wenn er statt Medien- doch Molkereifachmann geblieben wäre. Ad absurdum eines Aufstiegs, zu dem erschwerend kommt, dass Maurer weder seinen Eltern noch seinen alten Freunden erklären könnte, womit er eigentlich seine kleinen Rentenansprüche erwirbt.

Ich überlege in diesem Zuge, wie ich meinem Vater hätte erklären können (und es auch versucht habe), dass ich gerne etwas mit Kommunikation machen würde. Er hätte mir wahrscheinlich geraten, einem Debattierclub beizutreten. Nein, hätte er nicht, denn Debattierclub gehörte nie zu seinem Vokabular. Er hätte gesagt (und hat das zu anderen Anlässen auch oft getan): „Nun fari cumiziu!“ Heißt: Non fare comizio, also sinngemäß „Quatsch keine Opern“. Aber auch Opern kannte (und dirigierte) mein Vater nur von Schalplatten aus. Insofern muss man seine Arbeiterklasse-Metapher tatsächlich mit „Halt keine Wahlkampfreden!“ übersetzen.

Vom Godfather of Green Kanak Politics und dem Defilee der Defizitären
Marco Maurer manifestiert in Du bleibst, was du bist – Warum bei uns immer noch die soziale Herkunft entscheidet mit zahlreichen Studien, Zahlen und Fakten, was die Gesprächen mit illustren Immigranten und anderen Bildungsaufsteigern eigentlich eindrucksvoll genug und dazu viel authentischer aufzeigen: Das deutsche Bildungssystem ist nicht durchlässig, sondern höchstens semipermeabel und mit einem echt engen Aufstiegskanal versehen, der zudem nie gereinigt wird. Das liegt daran, dass wie Ausländer als Straßenkehrer langsam rar werden, da wir uns lieber ins höhere Bildungsmilieu durchbuddeln.

Insofern ist der Auftritt von Bildungssieger Cem(p) Özdemir obligatorisch. Er, der Extremaufsteiger, der trotz mehrerer Handicaps (Schwabe, Türke und männlicher Erzieher) als erster Migranten-Mandatsträger im Bundestag Platz nehmen, diesen verlassen und selbigen geläutert und gereift wieder betreten durfte. Und doch, das Label Gastarbeitersohn habe ihn überall begleitet – und letztlich vielleicht auch als schwere Fracht zum Landen und Auftanken gezwungen, wie aber auch zum Wiederabheben beflügelt.

Doch beim Bundesvorsitzenden der Grünen endet das Defilee der per Bildungssystem von Aufstiegschancen demarkierten Defizitären nicht. Nein, es reicht weiter. höher und breiter – vom Direktor des Londoner Viktoria & Albert-Museums Martin Roth, über Bahn-Chef Rüdiger Grube und Bundesaußenminister Franz-Walter Steinmeier bis hin zu Ex-Kanak-Kommissar Mehmet Kurtulus und viele andere bemerkenswerte Personen, die sich wie Suat Yilmaz, Koordinator Talentförderung der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, als Bildungsakteure der Entflechtung von Biografie und beruflicher Perspektive verschrieben haben. Teilweise sogar mit Erfolg.

Diesen können Marcel Reich-Ranicki, Pep Guardiola und Papst Franziskus in jedem Fall aufweisen. Marco Maurers Einschätzung zufolge vielleicht auch deshalb, weil sie als Arbeiterkinder aus einfachen Verhältnissen Dinge anders und unorthodoxer angehen. Das macht sie für mich nicht viel sympathischer, andererseits spiegeln sie teilweise ja tatsächlich wider, was wohl vielen von uns Bildungsaufsteigern eigen ist: Wir sind solidarischer, weil wir während unseres Aufstiegs oft auf Solidarität angewiesen waren. Wir sind die Schlichter zwischen den Schichten und Mittler zwischen unterschiedlichen Milieus.

Elternbildungsangebote © Heinrich Heine Universität 2015

Elternbildungsangebote © Heinrich Heine Universität 2015

Wir haben uns für „langfristige Bildungsrendite und Bildungsgratifikationen“ entschieden und dabei dennoch auf unmittelbare Prämien gesetzt. Das bedeutet: Wir haben studiert und nebenbei gearbeitet, weil wir mussten. Vielleicht haben wir auch eine Lehre vor dem Studium gemacht, um wenigstens 2-3 Jahre Cash in the Täsch zu haben. Am Ende aber haben wir investiert – und zwar Glauben und Arbeit darin, dass sich unser Weg am Ende auszahlen würde. Für uns und unsere Kinder.

Altes Eisen? Dann Finger weg von Journalistenpreisen!
Aber zurück zu dem, was mich und Herrn Maurer verbindet. Es ist nicht unbedingt das Leben als freier Schreibender, schließlich hat Marco Maurer da mehr zu bieten – an Erfolgen und Erfahrungen. Dennoch finden sich genau in den Passagen, in denen er darüber schreibt, wie er mit oder trotz seiner Prekariatsbeschäftigung als freier Journalist überlebt, einige Parallelen zu meiner Berufswelt als Schreibmaschine suchmaschinenoptimierter Texte.

Presspartout-Ausweis Marcello Buzzanca

Presspartout-Ausweis Marcello Buzzanca

Wenn er dann schreibt, dass es sich mit dem Journalismus irgendwann so verhalten werde wie früher mit der Kunstgeschichte, die einst wohl als Tummelplatz für reiche Töchter galt, wird mir mulmig. Noch unwohler wird mir bei der Frage, wie viele Journalisten aus bildungsfernen Milieus sich deutsche Blatt- und Medienmacher leisten können und wollen und wie es mit Journalisten mit ethnischer Herkunft aussieht? Ich denke, er meint damit nicht die obligatorischen Integrationsikonen wie Ingo Zamperoni, Deniz Yücel,  Hasnain Kazim, Dunja Hayal und Linda Zervakis, denn die sind ja schon dort, wo sie Maurers Meinung nach eigentlich nicht sein sollten. Nicht, weil er sie nicht da sehen will, sondern weil alle Umstände gegen ihre Karrieren als Journalisten sprechen.

Auch deswegen verkomme Journalismus zur Monolkultur, denn die, die sich unbezahlte Praktika und Prekariatsbeschäftigungen als Freie Journalisten auch bei öffentlich-rechtlichen Bollwerke medialer Langeweile wie der Bayrische Rundfunk und das ZDF nicht leisten können, weil ihr Elternhaus kein Bakschisch-Backup liefert, bleiben schlicht und ergreifend draußen. Drinnen spielen derweil die mit dem Goldenen Löffel und stillen damit den elitären Bildungshunger jener, die sowieso schon alles Wissen.

Uli Teufel an der Tafel der Linnè-Grundschule Frankfurt ©Marcello Buzzanca

Uli Teufel an der Tafel der Linnè-Grundschule Frankfurt ©Marcello Buzzanca

Ebenso diskriminierend findet Marco Maurer, dass viele Journalistenpreise beschränkt sind, auch was das Alter der zugelassenen Teilnehmer angeht. Dass er selbst den Deutschen Journalistenpreis 2013 gewann und ihn nur  fast ausgeschlagen hätte, mag man ihm nicht als fehlende Konsequenz ankreiden, denn Marco Maurer war jung und brauchte das Geld. Immerhin schrieb er Friede Springer und Matthias Döpfner, sie mögen sich doch bitte an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz halten, lieber nach Berufsjahren einschränken und krumme Lebensläufe nicht so diskriminieren, indem sie Teflon-Karrieren bevorzugen. Ich bin gespannt, ob das personifizierte Teflons wie eben Springer und Döpfner wirklich zum Wandel bewegt.

Migrationsmedienpreise und andere Minderheitenmedaillen
Aber fernab dessen müssten meiner Meinung nach auch einige der Migrationsmedaillen wie der KAUSA Medienpreis an den Pranger. Schließlich dürfen auch hier nur Journalistinnen und Journalisten teilnehmen, die 35 Jahre oder jünger sind. Und außerdem müssen sich ihre Features, Artikel und anderen journalistische Beiträge mit Migration befassen. De facto wird also ein Preis ausgeschrieben, der kulturelle Vielfalt fördern will und gleichzeitig diskriminiert – nämlich uns, die wir eben älter sind und als Migranten erster Güte oder zweiter Generation gar keinen Bock mehr auf Barrieren und Bollwerke der Inklusion haben.

Fangfalle Verständigung. © Media-ID: 1065025/clipdealer.de

Fangfalle Verständigung. © Media-ID: 1065025/clipdealer.de

Ja, dann nehmen Sie doch am CIVIS Medienpreis teil, Herr Buzzanca! Würde ich ja gerne, nur, womit? Und zur Gala darf ich auch nicht, denn an dem „festlichen Empfang können nur geladene Gäste teilnehmen“. Ohne persönlichen Code hat man also verkackt. Dabei würde ich doch so gerne EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in meine Periodischer-Patriotismus-Personalityshow einladen. Der Titel der Sendung: Da Kapo, Signor Presidente!

Natürlich hätte ich bei der Preisverleihung auch die Chance, weitere Wunschkandidaten für mein Format zu finden. Vielleicht Sido, mit dem ich dann gemeinsam Zigeunerjunge von Alexandra anstimmen würde oder Murat Topal dazu bringe, Haftbefehl die Handschellen anzulegen und sich zu zweit auf ewig wegzuschließen. Und wenn alles nicht hilft, frage ich Marius Jung, ob er schon mal ein Zebra mit der Hand gefangen habe. Aber ja, alles nur Träume, die zwangsläufig platzen werden – weil ich mir seriösen Kalauer-Journalismus nicht leisten kann. Aber das hatten wir ja schon.

Die Muster-Migranten und das Dilemma der Diverskulturellen
Gehen wir also lieber weiter im Text und machen uns auf die Suche nach den Muster-Migranten, die Marco Maurer in Du bleibst, was du bist – Warum bei uns immer noch die soziale Herkunft aufspürt. Da wären beispielsweise Anwar und Nazim aus Helsinki, die nachsitzen müssen bzw. Hausaufgabenhilfe bekommen. Natürlich, will man schon den mahnenden Migrantenfinger heben, bekommt aber Paroli von der Peruskoulu. Das nämlich ist Finnlands Antwort auf Aufstiegsbarrieren.

Die 9 Jahre andauernde Grundschulphase, so stellt Marco Maurer während seines mehrtätigen Besuchs einer dieser integrierenden Einrichtungen in Helsinki fest, will alle mitnehmen, niemanden auf dem Weg lassen und für alle das Bestmögliche erreichen. Weil Qualität zählt. Für Anwar und Nazim aus Helsinki, die nachsitzen müssen bzw. Hausaufgabenhilfe bekommen, ebenso wie auch für die durchschnittlich 40-70 % Migranten an der Schule, die Maurer während seiner Bildungsreise journalistisch inspiziert – und die ihn inspiriert.

Denn in Deutschland, wo der durchschnittliche Migrantenanteil an Schulen bei 20% liegt, wäre diese Peruskoulu längst schon vom SEK gestürmt worden. Dass in Finnland dennoch alle mitkommen, liegt wohl an der finnischen Solidaritäts-DNA. Und die schweißt all jenes zusammen, was auf den ersten Blick diverser nicht sein könnte. Und auch deshalb haben Anwar und Nazim es besser als vergleichbare Gleichaltrige in Deutschland. Denn sie leben in Finnland, haben das Lehrerprogramm WILMA, werden von zwei bis drei Pädagoginnen gepampert und der Dialog mit den Eltern wird täglich digital gepimpt. Das alles kostet die Eltern aufgrund des Recht auf kostenlose Grundbildung nicht einen Euro.

Der Aufstieg und Ausstieg aus dem Arbeiter- oder Angestelltenmillieu
Wie entkommt man dem deutschen Bildungstunnelblick, ohne dabei gleich nach Finnland ausreisen zu müssen? Nur dann, wenn man eine Art Bildungsengel hat, der die entscheidenden Türen zu inneren und externen Ressourcen öffnet. Man braucht jede Menge Resilenz und Ausdauer, Leidensfähigkeit im Allgemeinen und Risikofreude im Speziellen. Denn im Prinzip kämpft man immer gegen mehrere Widerstände und nur mit der Unterstützung milieuerhaltender Netzwerke. Und wenn dein Milieu der Müllmann ist, kannst du dir ausrechnen, worauf deine Support gebaut ist. Oder so ähnlich.

Interkulturelle Öffnung von Schule aus Elternperspektive ©Heinrich Heine Universität

Interkulturelle Öffnung von Schule aus Elternperspektive ©Heinrich Heine Universität

Als Bildungsaufsteiger hat man auf der einen Seite die Eltern und Freunde, die dir zur Statusbewahrung raten und nicht zum Aufbruch: „Mach‘ lieber was Anständiges ’ne Lehre oder so!“ Es gibt zudem Lehrerinnen und Lehrer, die einen beurteilen und damit der Chancen berauben: „Abitur? Ja, wenn jetzt alle Arbeiterkinder Akademiker werden wollen, wer soll denn dann noch arbeiten? Die Ausländer? Die wollen doch auch ins Labor und ins Management und nicht unsere Mülltonnen lehren und Kranken umbetten! Das gilt ja nicht nur für die Ausländer, die noch kommen wollen, sondern auch für die rund 2,9 Millionen, die schon hier leben und noch auf die Anerkennung ihres Bildungsabschlusses warten!“

Statusbewahrende Wahrheiten und staatstragender Saustall der Literatur
Wie also wird man den Krippengestank los, den man von Geburt in der Barracke an mit sich trägt? Sich als Arbeiterkind zu outen könnte helfen, ist aber gleichzeitig statusbewahrend und deshalb nicht zuträglich zum Exodus, weil es in einer Endlosschleife mündet. Vielleicht ein bisschen mehr wagen – auch in der Literatur und im Journalismus. Ein vielfältiger Blick, der aus einer ebenso vielfältigeren Gesellschaft als Resultat einer vielfältigeren Bildungssystems heraus klarer ausfällt und das herrschende Kausalitätsprinzip der Monokultur (Akademiker zeugen Akademiker und Arbeiter zeugen Arbeiter) ersetzt, das wäre doch schön.

Keine Schlappschwanzliteratur, wie wohl Maxim Biller den Umstand bezeichnet, dass der migrantische und jüdische Blick weder Diskurse noch Debatten präge, sondern man unter sich bleibe – unter der Elite eben, die sich gegenseitig die Eier schaukelt und die Kronjuwelen veredelt, mit Preisen, Elogen und Feuilletons, die eben nur sie verstehen und mit Autorenverträgen, die immer dieselben bekommen. Also auch die üblichen Vertreter der schreibenden Kanaken-Zunft, die Biller repräsentiert.

The cyrillic alphabet. Indicator. A vector illustration. ©clipdealer.de_2515437

The cyrillic alphabet. Indicator. A vector illustration. ©clipdealer.de_2515437

Vielleicht müsste man uns Ausländerkinder aber einfach auch unseren Eltern wegnehmen, wie es in Kalabrien wohl mit den Sprösslingen von ‘Drangheta-Clans passiert, damit sie dem Karussell des Kriminellen entkommen können. Das wiederum würde dem Kanak-Cooconing widersprechen, das wir mit unseren Kids betreiben. Denn die lassen wir, wenn sie noch klein sind, lieber zu Hause, weil Bildung viel Geld kostet, zu wenig Rücksicht auf unsere Kultur und Sprache genommen wird, die Qualität der Betreuungsangebote nicht stimmt und Erzieherinnen mit roten Haaren und Nasenringen entweder Hexen sind oder per se den bösen Blick aussenden.

Man könnte natürlich auch versuchen, eine neue Literatur und einen neuen Journalismus zu erschaffen, der den Bannkreis von Du bleibst, was du bist, obwohl du nicht mehr bist, was du mal warst, was deine Eltern noch sind durchbricht. Indem man das Statusbewahrende als Homebase nimmt und nicht als Stigma versteht und damit, lieber Herr Maurer, die Steine des Umbruch dazu nutzt, das deutsche Bildungssystem breiter zu gestalten und auszubauen – für mehr Diversität, für integrativere Bildung, für mehr Chancen und für weniger Hürden. In diesem Sinne liefert Ihr Buch Du bleibst, was du bist – Warum bei uns immer noch die soziale Herkunft entscheidet einen guten Anstoß und viele Argumentationshilfen für alle Bildungsbarrierenbrecher.

Daher meine Kaufeintscheidungsunterstützung:

Marco Maurer
Du bleibst, was du bist
Warum bei uns immer noch die soziale Herkunft entscheidet
384 S., Hardcover, Droemer Verlag, München
ISBN: 978-3-426-27633-4
€ 18,00

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.