Eidgenössisches Einwanderungseinhorn meets Oily Cow

Eidgenössisches Einwanderungseinhorn meets Oily Cow
Eidgenössisches Einwanderungseinhorn meets Oily Cow

Erst verschwanden die Auberginen und Zucchini von der Gemüsetheke und jetzt geht es dem Olivenöl an den Flaschenhals. Am Tropf des weltweiten Handels hängend, läuft das leckere Liquid langsam trocken. Chinesen und andere schwellenländische Emporkömmlinge wollen das sowieso nur noch spärlich tropfenden Öl ganz für sich, um ihre Woks und Hindubuden zu befeuern.

Da aber das Wetter in den Olivenöl exportierenden Ländern Italien, Spanien und Griechenland sich südländische Kapriolen leistete und ähnlich der Regierungen dieser Staaten, mal das Land austrocknen ließ und dann wieder mit Flüssigem aus dem Norden flutete und sich dazu noch fiese Fliegen gesellten, die sich mit ihren haarigen Hintern auf die Pflanzen setzen und diese damit zersetzten, herrscht jetzt Ohnmacht beim Olivenöl: Hohe Nachfrage, wenig Angebot, horrende Preise und niedriger Ölstand in den Kombüsen und Küchen praktisch aller Kontinente.

Der Preis ist highs
Auf ein 70-Jahres-Hoch stieg der Preis für italienisches Olivenöl und floss bei aktuell 5,90 Euro pro Kilo, während spanisches Öl zehn Prozent zulegte und Ende Januar bei 3,64 Euro pro Kilo lag. Das war etwas günstiger als das hellenische Gepantsche (3,46 Euro) und etwas teurer als tunesisches Liquid (3,88 Euro).

Der Anstieg des Olivenölpreises zog auch sofort eine kulinarische Katastrophe nach sich. So schloss Star-Chef-Sterne-Koch Jamie Oliver flugs gleich sechs seiner italienischen Restaurants auf dem Britischen Eiland, weil das Pfund dank Brexit ebenso weit unter die Gürtellinie gerutscht ist wie sich das Trauerspiel um den Ausstieg der Briten aus der EU schmerzhaft langweilend zieht. Wie eine Teezeremonie mit wirklich zähflüssigem Konzentrat.

Movements in Olive Oil Producer Prices ©International Olive Council

Movements in Olive Oil Producer Prices ©International Olive Council

Gut, dann halt keine Baked Beans an Bolognese mehr auf den Inseln und an den Büffets spanischer Hotels. Sollen die Bohnen doch auf ihrem Bacon hockend nach Hause schwimmen, wobei das bei fehlender Flüssigkeit natürlich schwer fällt.

Die Virtuosität der Viskosität
Andere Theorien über den Schwund des Olivenöls sehen wiederum ganz andere Ursachen für die plötzliche Absenz des göttlichen Tropfens in mediterranen Gefilden. Beispielswweise wird gemunkelt, dass sich das Öl mit Öl vermischt hat. Irgendwo in Saudi-Arabien nämlich entstand kürzlich der weltweit größte organische Olivenhain. An der Grenze zum Irak und zu Jordanien werden die Früchte von 1500 Olivenbäumen pro Hektar kargen Bodens durch unterirdische Wasserreservoires zu grasig-grünem bis goldgelbem Pflanzenöl gedrillt. Unerbittlich und von der breiten Öffentlichkeit ignoriert, schreitet die Islamisierung des Olivenbaums rasant voran.

Nebulöses Olivenöl

Nebulöses Olivenöl

Wieder andere verorten das gepresste Pflanzenöl viel weiter im Norden. Als Oily Cash Cow der Italiener nämlich soll es sich mit dem Eidgenössischen Einwanderungseinhorn getroffen, vermählt und verbunden haben. Denn das Olivenöl wollte unbedingt Schweizer werden. Nun aber sind die Alpen-Aufpasser etwas zögerlich, was Einwanderung im Allgemeinen und Einbürgerung im Speziellen angeht. Also erfinden sie erst einmal Fantasienamen für alle, die zwar in der Schweiz geboren sind, aber eben trotzdem irgendwie draußen bleiben sollen.

Sie nennen sie Secondos und Secondas und wenn das nicht reicht, dann eben noch Terzos und Terzas. Währenddessen hoffen sie, dass ihnen die Kardinalzahlen für die Kanaken nicht ausgehen und spekulieren eventuell noch auf das Tetrapack, in das sie die Kooperativen einpacken und zurückschicken können. Frankiert, natürlich.

Olivenölbaum in Opaque

Olivenölbaum in Opaque

Doch der Bundesbeschluss „über die erleichterte Einbürgerung von Personen der dritten Ausländergeneration“ macht ihnen ein Votum durch die Rechnung. 60,4 Prozent der Stimmenden Schweizer und 17 Kantone sagen jo/gie/si/oui/ju zur erleichterten Einbürgerung der Enkelkinder-Kanaken. Das Olivenöl gehört zweifelsohne zu den Nutznießern dieser wohligen Volksumarmung der Schweizer Art. Schließlich haben fast 60 Prozent der unüberschaubaren Masse von nicht einmal 25.000 potentiell einbürgerungserleichterten Menschen italienische Wurzeln. Kein Wunder, dass die Schweizer Volkspartei jetzt eine Schutzwald aus italienischen Olivenbäumen bauen lassen will.

Schweizer sein im Selbststest
Wer aber nicht nur lesen will, muss eben auch fühlen. Das gilt insbesondere dann, wenn einem die Alpenrepublik nicht am Arsch vorbeigeht. Also unterziehe ich mich als veritabler Olivenöl-Nachkomme dem Eidgenössischen Einbürgerungstest – aber zunächst im Übungsmodus. Und auch nur ganz ausgewählte Fragen, also solche, die für mein Leben in der Schweiz und meinetwegen als Ausländer im Kanton Aargau relevant wären:

Einbürgerungstest_Schweiz_Ausländeranteil

Einbürgerungstest_Schweiz_Ausländeranteil

Nicht entmutigen lassen und die nächste alpine Abfahrt nehmen:

Einbürgerungstest_Schweiz_zwischen Helvetia und Mona Lisa

Einbürgerungstest_Schweiz_zwischen Helvetia und Mona Lisa

Hier habe ich natürlich aufgepasst und bin der Fangfragen-Lawine geschickt ausgewichen. Schließlich hätte man von mir als Secundär-Italiener ja erwartet, dass ich reflexartig römische Siegerin und dann alternativ Mona Lisa gewählt hätte.  Doch selbst Schweizer sind doch nicht so dämlich und stanzen sich eine fremde Göttin oder Schönheit auf ihre teuren Münzen.

Einbürgerungstest_Schweiz-Bedeutsame Orte

Einbürgerungstest_Schweiz-Bedeutsame Orte

Ok, das war wirklich geraten, weil ich keine Donnergrollkuppel von der anderen unterscheiden kann.

Einbürgerungstest_Schweiz_Medienpolizei

Einbürgerungstest_Schweiz_Medienpolizei

Da war ich wikrlich enttäuscht, dachte ich doch, dass wenigstens die Schweiz mediale Aufseher hätte, die Journalisten diktieren, was sie zu redigieren und zu publizieren haben, im Prinzip eine Büntli oder Bildli.

Fazit: Mir lief ein wenig die Zeit davon, etwa so, wie das Eidgenössische Einbürgerungseinhorn vor der Oily Cash Cow floh, weil der ölige Einfallspinsel zu dumm war, Secondo und Terzo zusammenzuzählen.

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.