Generation Taxi

Generation Taxi
Generation Taxi

Wir alle sind Teil der Generation Taxi. Und mit WIR meine ich all jene MĂŒtter und VĂ€ter, die autorisiert sind, sich Sorgen zu machen. Um ihre Kinder und deren Weg, wohin auch immer dieser sie fĂŒhren wird – also in die Schule, ins Training, zu Freunden und zum Musikunterricht. Egal jedoch, wohin unsere Kinder kutschiert werden mĂŒssen: Wir, die Generation Taxi, sind immer dabei. Und wir fahren sie – quer durch die Stadt, mitten in der Hauptverkehrszeit, bei Regen, Schnee und sengender Hitze. Genervt, gestresst und gefĂŒhrt vom Willen, sie vor allem zu behĂŒten. Schön und gut, werden Sie jetzt lesend sagen, aber was hat das denn mit Migration zu tun? 

NatĂŒrlich viel, werde ich darauf antworten. Schließlich ist Migration doch Bewegung, die was kostet. Zudem sind wir Kanaken mindestens genauso engagierte Kinderkuriere wie unsere deutschen Mitfahrerinnen und Mitfahrer. Und nicht zu vergessen: Das Wort „Taxi“ ist eine Ableitung, AbkĂŒrzung und Abweichung vom seinem eigentlichen Ursprung – dem Taxameter – dar. Wer wĂŒrde andererseits verneinen wollen, dass auch wir Migrantinnen und Migranten eine Ableitung und Abweichung unserer Eltern oder Großeltern darstellen; dass wir ein Vehikel sind, das viele verschiedene IdentitĂ€ten rund um den inneren Erdkreis befördert, manche Alter egos gerne mal aussetzen und andere wiederum als stĂ€ndige Beifahrer bei sich haben wĂŒrde. In diesem Sinne sind wir die Generation Taxi, weil wir sie und damit fahren. Weil wir bezahlen – auch fĂŒr IdentitĂ€ts-Irrwege. Weil wir uns mitunter verfahren. Weil wir taxieren, also prĂŒfend betrachten, wer bei uns einsteigt, uns heran- oder herauswinkt. Und am Ende ist Taxi doch bestimmt auch Griechisch. Damit wĂ€re dann auch gleich ein Bezug zur aktuellen Diskussion um das Taxieren finanzpolitischer Ausstiegsszenarien gegeben.

Taxomania gravis
Komposita im Stile von Taxometer zeigen doch auf den ersten Blick, dass auch Taxi seine Wurzeln im Altgriechischen haben muss. Und ganz so, wie die Griechen sich auch heute noch gerne an etwas Altes hĂ€ngen, haben es auch die Worterfinder gemacht. Nur, dass sie das Altgriechische vorweg gestellt und das Lateinische hinten angehĂ€ngt haben. Das gilt bei Taxonomie ebenso wie bei Typometer. Streng genommen ist es aber egal, ob der erste Teil des Kompositums wirklich Griechisch oder Griechisch entlehnt ist. Überhaupt sind es eher die Bindevokale wie i und o, die dafĂŒr sorgen, dass zwei Teile am Ende eine Einheit ergeben. Und ganz ehrlich: Wenn man bedenkt, dass das Griechische taxis so viel wie Ordnung bedeutet, muss klar werden, dass Taxi nie und nimmer aus dem (Neu)-Griechischen stammen kann. Denn Ordnung kann man bei den Höhen und Tiefen in den Beförderungstarifen kaum erkennen. Und wer bei den monetĂ€ren Machtspielen am Ende zu stark nach rechts driftet, fliegt womöglich aus dem Rennen und muss dann warten, bis das nĂ€chste Taxi frei ist.

Copyright: clipdealer/14040001

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Bei diesem ganzen Wanken in Anbetracht einer widrigen WĂ€hrung ist klar, dass einem auch mal schwindelig werden kann. So wie Cornelia Boesch. Sie ist Nachrichtenmoderartorin des Schweizer Fernsehens – genauer gesagt ist sie die Ansagerin der „Tagesschau“-Hauptausgabe des SRF. Doch diesen Sonntag musste sie ihre Moderation abbrechen, weil sie ohnmĂ€chtig geworden war – und zwar genau nach dem GesprĂ€ch mit dem SRF-Korrespondeten in Athen. Zufall oder zu viel Fall, der sie zu Boden zwang? Schließlich sorgt die absurde Allianz von Linkspartei Syriza und den Rechten von UnabhĂ€ngige Griechen nicht nur bei den Eidgenossen fĂŒr ernste GĂ€nsehaut. So will die neue Regierungskoalition doch das gerupfte SelbstwertgefĂŒhl durch weniger Knebel hochhebeln.

Keine Steuern, no tax und schon gar keine Taxis, die von BrĂŒssel nach Berlin fahren und dort den Obulus abliefern, den man den Hellenen aus dem Pankreas gepresst hat. Die Ironie bei der ganzen Sache: Troika ist nicht einmal ein griechisches Wort. DafĂŒr aber ist der Mythos Europa tief in der Sagenwelt der Griechen verwurzelt. Da heißt es nĂ€mlich, dass Zeus sich in Europa verliebte. Weil aber seine eifersĂŒchtige Gattin Hera etwas ahnte, verwandelte sich Zeus in eine Stier, nahm Europa auf die Hörner und entfĂŒhrte sie ĂŒbers Meer nach Kreta. Dort wurde er wieder zum Gott und zeugte gemeinsam mit Europa drei Kinder. Wenn manch EuropĂ€er das hört, denkt er wohl weniger an Stiere als vielmehr an KĂŒhe, die man melken kann.

Wider die Software-Migration ©crn.de

Wider die Software-Migration ©crn.de

Ironie in der IT
Wo man Ironie wohl weniger verortet, ist es umso erfreulicher, wenn man plötzlich und genau dort auf sie stĂ¶ĂŸt. Vor allem aber lenkt es einen von den eingefahrenen Taxier-Bewegungen der Euro-Egomanie ab. Und es schafft ein wenig Abstand zu der beĂ€ngstigenden Tatsache, dass Linke und Rechte sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen könne, nur um einem vermeintlichen Spardiktat den Stinkefinger zu zeigen. Ist aber auch verstĂ€ndlich: Wer schreibt schon gerne nach, was andere vorschreiben, wenn es am Ende schwierig ist, diese Worte dem Volke zu vermitteln. Dann doch lieber eigene populistische Prosa aufsetzen und damit eine Wahl gewinnen – zumindest bis zur nĂ€chsten Neuwahl.

Wie gesagt, umso erfrischender, dass man PIGS und Pegida auch sehr viel subtiler auf die Schippe nehmen kann und damit auch gleichzeitig klarstellt, dass auch im Bereich der Server-Migration Null Toleranz gegenĂŒber Morgenland-Moslems oder anderen MigrationsmissetĂ€tern herrscht. Und wenn sich Anwendungen in der Entwicklung befinden, kann man auch noch besser lenken und taxieren, welchen Weg und welche Entwicklung sie nehmen werden. Unterm Strich steht dann ein Wanderungssaldo, das sich entweder in Gewinn oder Verlust ausdrĂŒckt – abhĂ€ngig davon, welche Vor- oder Nachteile man der Zu- und For(t)zugsstatistik entnehmen möchte. Am Ende aber hilft auch hier die Taxonomie als Schema, um Konfigurationsschritte und einheitliche Gliederungen in wertvolle und wertlose Wanderer vornehmen zu können.

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.