Mrs. Kim: Die Ajumma-Adaption

Mrs. Kim: Die Ajumma-Adaption
Mrs. Kim: Die Ajumma-Adaption

Dass Koreaner nicht nur Kimchi können, mit Nachnamen Kim heißen, Hyundais heroisieren und (zumindest die einen aus dem Norden) den Rest der Welt mit Paraden und pummeligen Diktatoren terrorisieren können, wissen wir ja alle spätestens seit dem wunder-sonderbarem Psy. Dass Koreaner aber sogar Selbstironie als ihr Sujet in die Welt und in den Äther der Apps tragen, war mir bisher neu. Umso schöner also, dass mich eine gerade eine Pressemitteilung (nicht aus Pjöngjang, sondern aus dem Internet) auf den aktuellen Stand der Dinge aus Seoul gebracht hat.

Dem Presseverteiler sei’s demnach verdankt, dass ich heute meine erste App-Rezension schreibe – über ein gleichermaßen einfaches und dennoch Esprit und Energie geladenes „Jump ’n’ Run“- Spiel mit sehr ungewöhnlichen Protagonisten: Mrs. Kim und ihre böser Sohn, der rein physisch an einen selbstverliebten und ernsthaft gestörten Entertainer aus Pjöngjang erinnert. Dass Verwechslungen fast ausgeschlossen sind, mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass dieser Sohn seine „Ajumma“ (Mutter) mit Atomraketen bewirft.

Mrs.Kim ©Soo Youn Yoo

Mrs.Kim ©Soo Youn Yoo

Doch Mrs. Kim kann nicht nur Karate, sondern – wenn man als Spieler fingerfertig genug ist – diesen fiesen Angriffen fliegend, duckend und springend ausweichen, sie mit Schutzvisier und Schalldetonationen parieren und mit Kimchi-Kraft sogar noch Turbotempo und Unbesiegbarkeit an den Screen legen. Natürlich macht Mrs. Kim das souverän und zugleich gut gekleidet, denn wenn man mag, kann man ihr Matriarchat mithilfe von gesammelten oder gekauften Münzen auch hübsch verpacken. Jedes einzelne der individuellen Outfits ist dabei sogar noch mit spezifischen Fähigkeiten versehen.

So stellt man sicher, dass die wütende Mutter immer stilvolle Klamotten trägt, wenn sie versucht, ihren irren Sohns übers Knie zu legen und zur Vernunft zu prügeln. Und sei es, dass sie ihre Raketenstiefel (und nicht Moonboots) auspacken muss, um dem ungezogenen Sprössling in den Hintern zu treten.

Die Macher von Mrs. Kim
… sind eigentlich Hersteller von würzigen koreanischen Dipps, Saucen und Marinaden. So produziert das London-Seoul-Paar Sue Youn und Ben eigentlich „yogiyo“ für alle möglichen Mahlzeiten, die diese koreanischen Verfeinerungen vertragen. Wer weiß, ob es an diesen kulinarischen Variationen liegt, dass Mrs. Kim als „verrückte Kombination aus koreanischer Comedy und explosivem Chaos“ so wunderbar kurios und sensationell spicy ist.

Ob Koreaner dieses Spiel besonders gut und besser als wir Europäer beherrschen, ist zwar eine Vermutung, die nahe liegt, doch entbehrt sie bisher jeglicher Beweise und ist wohl ebenso absurd wie die Annahme, dass alle Italiener von Geburt aus Boccia-Champions sind.

Sehr treffend ist in jedem Fall die folgende Beschreibung der Erfinder der Mrs. Kim-App , die als kostenloser Download für iPhone/iPads und Android Smartphones und Tablets  zur Verfügung steht:

„Wäre es nicht toll, wenn mächtige Autoritäten, die sich schlecht benehmen, von ihrer eigenen Mutter im Angesicht der ganzen Welt den Hintern versohlt bekämen? Dann lasst uns das in die Tat umsetzen und Mrs Kim dabei helfen, ihren tyrannischen Sohn zu fangen und ihm die rosigen Backen zu verpassen, die er verdient.“

Mrs.Kim kann Karate ©Soo Youn Yoo

Mrs.Kim kann Karate ©Soo Youn Yoo

Die Afd-Ajumma-Achse
Mrs. Kim hat nicht nur kommerzielles Potenzial (weil sich ja die „yogiyo“-Saucen im Sinne des Product Placements bestens als Megakräfte-Auflader für die rasende Mutter oder als lähmendes Hindernis für den bösen Sohn eignen würden), sondern birgt auch große Chancen der einfachen Adaption an ebenso einfach argumentierende Selbstdarsteller in den bequemen Stühlen der einschläfernden TV-Politshows.

Man könnte also beispielsweise diese patente Ajumma in Form einer penetranten Petry ihren ungehorsamen Partei-Kindern Gauland oder Höcke auf den Hals jagen. Die bewerfen sie dann mit Sahnetorten und Sarkasmus und Frauke schafft es mit fiesen Finten und einer strammen Lügen-Presse, den verbalen Wurfgeschossen aus den eigenen Reihen auszuweichen und sie auf Normalgröße zu schrumpfen.

Oder aber man konzipiert ein „Jump ’n’ Run“- Spiel, bei dem Gauland verhindern muss, dass alle möglichen Boatengs trotz strenger Wohnsitzauflagen permanent versuchen, neben ihm einziehen. Wenn er verliert, muss der AfD-Vize und Rechtsaußenverteidiger der Grasnaben-Stutzer-Rasisten mit Mesut nach Mekka pilgern, auf dem Weg dorthin den Flüchtlingsstrom begradigen und alle Ankommenden abwehren, indem er das „Rassismus-Monster“ Integrationsgesetz an der langen Leine hält und bei Bedarf scharf schalten kann.

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.