Pain Insula’s Brexit

Pain Insula’s Brexit
Pain Insula’s Brexit

Dass niemand eine Insel ist, wusste ja bereits John Donne (1572 ÔÇô 1631). Der f├╝r seine Sonett-Standpauken wie auch f├╝r sein Metaphysisches Menetekeln ber├╝hmte Dichter war Konvertit. Zudem war er Engl├Ąnder. Liegt also nahe, dass John Donne dazu determiniert ist, mit seinen Meditationen den Briten dabei zu helfen, den Transit zu schaffen – von der Insel zur├╝ck zum Festland. Von Put Britain first zu Put Brain first.

Meditation XVII:
No man is an island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main. If a clod be washed away by the sea, Europe is the less, as well as if a promontory were, as well as if a manor of thy friend’s or of thine own were. Any man’s death diminishes me because I am involved in mankind; and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee.

Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein St├╝ck des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gesp├╝lt wird, wird Europa weniger, genauso als wennÔÇÖs eine Landzunge w├Ąre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schl├Ągt; sie schl├Ągt dir selbst.ÔÇť

Brexio brachialich
So Brachio-Brexit-kalisch es auch klingen mag: Nicht einmal das Britische Eiland ist eine Insel. Schlie├člich h├Ąngt es am Eurotunnel-Tropf, eine Lebensader, die – wenn sie verstopft wird – das britische Biosystem ver├Âden lassen w├╝rde.

Klar, einerseits f├Ąnde ich es pers├Ânlich nicht schade, wenn mit den Austritt der Briten aus der EU auch die Bohnen vom mediterranen B├╝ffet verschw├Ąnden – samt wei├čen und braun gebrutzelten Speck auf ├╝berf├╝llten Tellern, in langen Schlangen an All-In-Fressn├Ąpfen, am Pool und auf Strandmatten.

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Und wenn ich es noch genauer betrachte, denke ich sogar, dass es mich weder tangieren noch traumatisieren w├╝rde, wenn die Extrawurst-Eil├Ąnder endlich ihr Ding machen w├╝rden – und nicht nur drohen, DASS sie es tun, WENN die EU nicht endlich etwa britischer wird, d.h.┬á zur abgeschotteten Insel mit Forderungsphilie gegen jeden, der Gro├čbritannien Einheitliches will.

Doras ├ęalaithe f├╝r gebruzelte Bohnen am Pool
Nat├╝rlich h├Ątte der Brexit auch Folgen f├╝r Europa. Denn all die EU-Ausl├Ąnder, die momentan dort legal arbeiten, m├╝sste Polen dann aufnehmen. Die Folge: Ein Exodus Britisch-biblischen Ausma├čes. Zumal die Ausgewanderten nicht mehr in ihre Heimat einwandern k├Ânnten, behindert von all den Z├Ąunen.
Umgekehrt m├╝ssten rund 100.000 Briten die Bundesrepublik verlassen oder einen Asylantrag f├╝r Brexit-Bedenken-Anmelder stellen.

Und bei dem Bearbeitungsstau im BAMF kann es lange dauern, bis ├╝ber sie entschieden wird. Bis dahin wird sich die Republik Irland vielleicht ihrer erbarmen, quasi als Dank daf├╝r, dass in UK lebende Iren ja auch ├╝ber den doras ├ęalaithe – also Notausgang – entscheiden d├╝rfen,┬á wie aber auch den Briten Slan – d.h. Ciao ciao baccalao – w├╝nschen k├Ânnen, wenn diese die EU verlassen und die Iren selbst verbleiben werden.

Am Ende ist es das Schicksal, das entscheidet. Zumindest hat es das in meinem Fall schon getan. Denn genau in der Kalenderwoche, an dem Gro├čbritannien ├╝ber Verbleib in oder Verderb mit der EU entscheidet, ziert ein Kalenderbild von Brighton Pier meinen Schreibtisch.

VisitBrighton ┬ęAdam Bronkhorst

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Peking-Enten und Athen-Tauben mit arthrotischen W├Ąhrungsver├Ąnderungen
Und wenn wir schon bei Pics, PIGGS und Pain hinsichtlich der pekuni├Ąren Bedeutung eines Brexit sind, sei James Butterfill, Head of Research und Investment Strategy von ETF Securities, das fast abschlie├čend wertende Wort und schlie├člich auch jedem sein Votum gegeben:

ÔÇ×Das gr├Â├čte Kopfzerbrechen bereitet Investoren, dass ihre Fonds nach einem m├Âglichen Brexit nach Kontinentaleuropa, auswandernÔÇÖ k├Ânnten, sowie das Risiko einer ausgeweiteten Infektion der Finanzm├Ąrkte. Studien haben hervorgehoben, dass der Brexit die Hauptsorge unter Anlegern ist ÔÇô noch vor einem Hard Landing Chinas und einem Zahlungsausfall Griechenlands.ÔÇť

Keine Ahnung, wie ein Hard Landing Chinas in Kombination mit einem Zahlungsausfall Griechenlands aussieht. Vielleicht fallen dann gebratene Peking-Enten und Athen-Tauben mit arthrotischen W├Ąhrungsver├Ąnderungen auf London herab. Die Folge: Starke Kursschwankungen des Pounds. Plus 4%, wenn die Briten bleiben und minus 8%, wenn sie der EU austreten. Davon geht zumindest der internationale W├Ąhrungsdienstleister Ebury aus.

Warten auf whatever
Angehen m├╝ssen die Briten die Entscheidung in jedem Fall. Und tats├Ąchlich sind es genau dieser Urnengang und der drohende Abschied, die einem erst wieder bewusst machen, dass Gro├čbritannien ja de facto in der EU ist. Eine Status-quo-Bestimmung in absurd angels├Ąchsischer Manier unter Mitwirkung der EU als B├╝hne f├╝r die wiederholte Neufassung von ÔÇ×Warten auf GodotÔÇť. Und dann stehen wieder Estragon und Wladimir und erschafffen durch ihr Warten den Godot, den niemand jemals gesehen oder kennengelernt zu haben scheint und der vielleicht erst dadurch, dass seine Ankunft herbeigesehnt wird, seine Existenz erlangt.

Zumindest wird er in den K├Âpfen derer zum Leben erweckt, die ihn gerne und endlich kommen sehen w├╝rden, also auch alle Zuschauer. Am Ende erschaffen wir uns also einen Brexit, der wom├Âglich gar nicht existiert, weil wir ihn uns herbeiw├╝nschen, damit wir endlich wieder mit Bestimmtheit wissen, dass Gro├čbritannien zur EU geh├Ârt, denn wenn dem nicht so w├Ąre, w├╝rden sie ja nicht dar├╝ber abstimmen wollen, ob sie auch weiterhin Teil davon bleiben wollen oder eben nicht.

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Und es geht nat├╝rlich noch viel konkreter: Dadurch, dass Wales und nicht England als Sieger der Gruppe B (wie Britannia) der Euro 2016 hervorgegangen ist, und in Kombination mit Nordirland, das sich als einer der besten Gruppendritten ebenso f├╝r das Achtelfinale qualifiziert hat, findet das Empire auf kontinentaleurop├Ąischem Boden wieder zusammen. Zumindest bis zur n├Ąchsten Entscheidung.

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.