Roma in 7 kapitalen Kapiteln

Roma in 7 kapitalen Kapiteln
Roma in 7 kapitalen Kapiteln

Nat├╝rlich f├╝hren alle Wege in die Ewige Stadt. Das bedeutet aber nicht, dass man sich nicht f├╝r einen entscheiden m├╝sste, um nach Rom zu gelangen. Mein Sohn und ich als ausf├╝hrendes Plan-Organ w├Ąhlten die Reisekombi Auto-Flugzeug-Leonardo Express. Hei├čt en Detail: Mit meinem vom Verdauungstrakt germanischer V├Âgel und italo-deutscher Gleichg├╝ltigkeit gekennzeichnetem Auto nach K├Âln-Gremberghoven fahren, es dort auf einem g├╝nstigen Airpark-Parkplatz abstellen, sich vom griesgr├Ąmigen K├Âllschen Shuttlefahrer zum Flughafen K├Âln-Bonn chauffieren lassen (ohne dabei den mit vehementer Handschrift verfassten Zettel Trinkgeld? Gerne, DANKE! zu ├╝bersehen), Check-In-Schalter suchen, den Sicherheitskontrolle-Adler machen, Smartphone liegen lassen, Panik schieben, Smartphone vom t├╝rkisch-deutsch-k├Âllschen Security-Mitarbeiter abholen, Versp├Ątung absitzen, einsteigen, ankommen.

Roma Fiumicino
First contact mit R├Âmischer Routine beim Touristen-Abfertigen. „Wo wollt Ihr hin?“ Der Mann sieht nett aus und spricht auch so. Klar w├╝rde er uns beide zu unserem Hotel fahren und zwar GENAU vor die T├╝r. F├╝r 15 Euro pro Person. Ich sage ihm, dass doch der Leonardo-Express – also der moderne Schnellzug der antiken Stadt – uns f├╝r 14 Euro bis zum Bahnhof Termini f├Ąhrt. Mit Klima, ohne Zwischenstopps und mein Sohn f├Ąhrt gratis mit. „Wenn Du meinst…“ ist die lakonische Verabschiedung des R├Âmers. Ja, meine ich, auch wenn der Fahrtkartenautomat und ich noch differieren, was das Ausgeben der Tickets angeht.

Im Express selber ist es dann pl├Âtzlich ganz ruhig, ganz k├╝hl und entspannend. So eine Art Kokon vor der n├Ąchsten Hektik-Etappe: Roma Termini! Ziellos und mit einem Stadtplan bewaffnet, versuchen wir dem Chaos zu entkommen, noch die viel zu warmen Klamotten vom K├Âlner Herbstwetterr tragend. Endlich, ein Ausgang, wenn auch der falsche! Nach einer halben Stunde“Hier m├╝sste es doch sein“-Dialogen kommen wir endlich an: Hotel Giubileo! Ein Grund zu feiern, auch wenn meine Champagnerlaune durch einen Blick aus dem Fenster getr├╝bt wird: Da, da ist er, der Bahnhof. Hier, einfach die Stra├če entlang!

Na ja, was soll’s! Ich trage meinen Kompass eben in den F├╝├čen. Mein Sohn hat mir das Gro├če-Runde-um-Zielort-Laufen mittlerweile auch verziehen, wohl auch, weil wir eine Glotze auf dem Zimmer haben. Die spricht zwar nur Italienisch, aber Turmspringen und andere olympische Verrenkungen kann man ja auch langweilig finden, wenn man das Gebrabbel der Kommentatoren nicht versteht.

1. Der erste Schongang
„Lassen wir’s langsam angehen, weil wenn Mama heute Nachmittag kommt, wei├čt Du ja, dass wir unsere Kraft einteilen sollten!“ Mein Sohn widerspricht dem nicht, weil auch er wei├č, dass sie uns ein straffes Erkundungsprogramm auferlegen wird. Schlie├člich kommt meine Frau nur das Wochenende vorbei und da will sie was sehen. Und ganz bestimmt geh├Âren Hotelzimmer und Olympia in der Glotze nicht dazu. Mein Sohn und ich konsultieren den Touri-Stadtplan: Hmm, Terme di Diocleziano (Diokletiansthermen), Basilica Santa Maria degli Angeli e dei Martiri und Fontana del Mos├Ę (Mosesbrunnen). Sieht erreichbar aus und wir haben dann bestimmt noch etwas Kraft f├╝r die sp├Ąterer Erkundungstortur mit Mama/Frau.

Fontana di Mos├Ę Roma

Fontana di Mos├Ę Roma

Also begeben wir uns in Lebensgefahr, w├Ąhrend wir r├Âmische Stra├čenk├Ąmpfe bestehen, Verhandlungen ├╝ber den Kaufpreis f├╝r uralte Topolino-Ausgaben (Lustige Taschenb├╝cher) f├╝hren und der Hitze trotzen. Mit einem Eis geht das nat├╝rlich besser, doch h├Ątte ich meinem Sohn wohl vorher erkl├Ąren sollen, WIE das Eis in Italien in den Becher kommt. Und in welchen Mengen.

Topolino-Tour

Topolino-Tour

Von wegen Kugeln! Mit einer kleinen Schaufel wird es in den Becher gestrichen. Turmhoch, fast. Dass man da mal kleckert, ist doch klar. Er ├╝brigens auch. Also zur├╝ck ins Hotel und Flecken rauswaschen. Schon klingelt das Handy. Meine Frau ist angekommen, lost in Termini, aber wir finden uns schon, so wie immer eigentlich und ├╝berall.

Wir checken sie ein, ganz oben im sechsten Stock, Wegen der Aussicht auf Santa Maria Maggiore. So wie sie es wollte und gebucht hatte. Dass hoch in den Ausguck nur Treppen f├╝hren, ist eine Sache. Dass aber meine Frau, kaum dort angekommen, sagt, das sei ihr doch etwas zu mulmig, so mit den Nachbarn und nur einer d├╝nnen Trennwand zwischen den Zimmern, ist eine andere Geschichte, die damit endet, dass ich letztlich zwei N├Ąchte hintereinander die Treppen erklimmen musse. Wohlgemerkt, nachdem wir die Sieben-Meilen-Stiefel sicher dreimal getragen haben. Einmal rund um Rom und zur├╝ck nach oben.

„Ich habe es Ihnen ja gesagt! Es ist WEIT oben!“ Der tunesische Portier mit r├Âmischem Akzent schaut mich mitleidig an. Es ist ├╝brigens derselbe Mann, der einen Tag sp├Ąter die chinesische Reiseleiterin bestimmt darauf hinweist, dass ihre Reisegruppe bei dem Preis ja wohl keinen Aufzug verlangen k├Ânnten, trotz ├ťberseekoffer, die die geschwitzten Asiaten dann in den zweiten Stock hieven m├╝ssen und die Treppe zu unserem Zimmer mit ihrer einnehmenden Art f├╝r einige Zeit blockieren.

Aber ja, wir entkommen dennoch, denn meine Frau l├Ąsst sich sicher nicht von ein paar Koffer schleppenden Chinesen aufhalten. Eher schon von unserem Sohn, der bereits jetzt ├╝ber schmerzende F├╝├če lamentiert. Armer Junge! Wenn er w├╝sste, was uns noch an Weg bevorsteht, w├╝rde er sich wahrscheinlich freiwillig zur Adoption anbieten.

2. Colosseo – Trastevere
Wir laufen los, immer dem Plan nach. Sieht gar nicht so weit aus, hier auf der Karte. Hat jemand mal den Ma├čstab betrachtet? Wof├╝r auch! Macht den Weg ja auch nicht k├╝rzer! Irgendwann erreichen wir das Kolosseum , aber nur von au├čen. Reicht andererseits erst einmal, denn das Staunen ├╝ber die Sehensw├╝rdigkeiten muss ja noch ein paar Tage vorhalten. Konstantinbogen, Zirkus Maximus (├╝brigens nur eine Staub- und Wiesenw├╝ste) und dann Richtung Wahrheit. Doch der Zugang zur Bocca della Verit├á ist leider schon vom Feierabend gesegnet.

Bocca della Verità

Bocca della Verità

 

Colosseo

Colosseo

Gut, dann weiter Richtung Isola Tiberina (Tiberinsel), vorbei an Santa Maria in Cosmedin und Tempio di Ercole Vincitore (Tempel des Hercules Victor). Ob’s noch weit ist? Keine Ahnung, wenn wir nicht mal wissen, wohin wir wollen und die exakteste Zielbeschreibung „Irgendwo in Trastevere was essen“ lautet.

Tempio di Ercole Vincitore

Tempio di Ercole Vincitore

Einige Streitereien, OOHs und AHHs sp├Ąter, laufen wir unsere Runden auf der anderen Seite des Tibers. Vom Hunger getrieben, von schmerzenden F├╝├čen gequ├Ąlt, von Mama zum Durchhalten angefeuert. „Das Restaurant hier?“ „Nee, zu Touri!“ “ Das das?“ „Nee, zu schnieke!“ „Und das da?“ „Hmm, ja, das k├Ânnten wir nehmen.“ “ Aber, hatten wir das nicht schon ganz am Anfang ausgew├Ąhlt?“ “ Ja, aber wir konnten ja nicht wissen, dass es auch WIRKLICH gut ist, oder?“

Der Cameriere zieht routiniert sein Ding durch, mit der pers├Ânlichen Note versehen, dass es eigentlich kaum mehr was zu essen g├Ąbe. Tramezzini tostati eben, also im Sandwichmaker kross getoastetes Wei├čbrot in Dreiecksform, mit Mortadella und Mozzarella oder mit Gem├╝se. Mein Sohn hat zwar Hunger, doch der Zungenbrecher Mortadella-Mozzarella scheint zu verhindern, dass ihm das Wasser im Munde zusammenl├Ąuft.

Ein anderer Cameriere kommt, spricht mich auf Spanisch an. Darauf der erste Kellner: „der ist Italiener, wenn auch aus Deutschland, richtig?“ Er schaut mich wissend an und ich nicke, mich nackt f├╝hlend, weil mein Italiano-Cape enth├╝llt wurde. Darunter der Periodische Patriot, dem man dem Chefkellner zufolge anh├Ârt, dass er in Deutschland geboren sei.

Isola Tiberina

Isola Tiberina

Dann noch ein kleiner Plausch mit Kellner Nummer 2, der „auch“ aus Sizilien kommt, schnell die Tramezzini runterschlingen, dazu ein Bier (f├╝r mich). Die Rechnung ist so etwas wie ein Augur in einem August in Rom: 28 Euro, davon 7 f├╝rs Bier. Gerade noch kann ich meine Frau davon abhalten, die 2 Euro Trinkgeld auf dem Unterteller samt Bon einzustecken. „Ist doch f├╝r ihn!“ fl├╝stere ich.

So gest├Ąrkt, sind wir dennoch zu schwach, um ins Hotel am anderen Ende der Stadt zu laufen. „Lasst uns mit dem Bus fahren!“ fordert mein Sohn vehement ein und deutet auf seine geschundenen F├╝├če. Tja, Bus fahren in Rom. Das ist nicht einfach einsteigen und los geht’s. Nein, das verlangt fast astrophysische F├Ąhigkeiten, um die unz├Ąhligen Haltestellen samt Schildern den entsprechenden Busse-Kosmos und unserem Ziel zuzuordnen: Santa Maria Maggiore oder eben Termini. Au├čerdem brauchen wir ja Tickets. Der peruanische Kioskbesitzer verkauft sie uns gerne. „Und f├╝r meinen Sohn?“ Er winkt ab. „Wie alt ist er?“ „Elf!“ „Ja, normalerweise ist es nur bis 10 Jahre gratis, aber fragt eh keiner, glaub mir!“ Dein Wort in Machu Picchus Ohr!

Die Tram, die wir kurzentschlossen besteigen, bringt uns leider noch weiter weg, was wir Gott sei Dank gleich nach der ersten Haltestelle merken. Schnell raus und das Spiel geht von vorne los. Dann endlich die ersten Aha-Effekte an der Fermata. Ok, bis zur Piazza Venezia schaffen wir’s. Kaum dort angekommen, schiebt sich das Vittoriano, das prunkvolle Nationaldenkmal f├╝r Vittorio Emanuele II., in unsere m├╝den und reiz├╝berfluteten Augen. Bei Nacht ist er noch imposanter, dieser protzige Beweis der italienischen Staatsgr├╝ndung Mitte des 19. Jahrhunderts. Also Smartphones raus, Selfies rein in die Linse.

Aber, wollten wir nicht zur├╝ck ins Hotel? Stra├če ├╝berqueren, n├Ąchste Haltestelle suchen, Bus detektieren. Irgendwann sind wir dann endlich wieder im Hotel und beim Erklimmen der unz├Ąhligen Stufen, w├╝nsche ich mir, dass meine Frau nicht so scharf auf den sch├Ânen Ausblick gewesen w├Ąre, w├Ąhrend sie mit unserem Sohn im ersten Stock schlummert und das Brennen in meinen Muskeln mir zus├Ątzlich Saures gibt.

3. Foro Romano – Colosseo – Piazza Navona
Es ist Samstagmorgen. Beim kargen Fr├╝hst├╝ck regt sich mein Sohn wieder einmal ├╝ber die Messer auf, die die etwas kaugummiartigen Br├Âtchen nicht zu teilen verm├Âgen. Ich muss an meinen Vater denken, der stumpfe Messer immer mit „Die schneiden ja nicht mal Wasser“ kommentierte. Egal, wo wir uns gerade befanden. Ok, Plan f├╝r heute: Foro Romano und Colosseo. Kombitickets w├Ąren clever, da sparen wir was und m├╝ssen nicht anstehen. „Die gibt es da unten an der Kriche, glaube ich!“, sagt meine Frau und erteilt mir damit den Auftrag, dort danach zu fragen. Ich laufe los, direkt zu dem Kiosk, wo ich die Billets vermute.

Der senegalesische Verk├Ąufer nimmt kurz das Bluetooth-Headset aus seinem Ohr, sch├╝ttelt den Kopf und verweist mich freundlich zu einem Reiseshop zwei Ecken weiter: „Sag, dass dich Ibra schickt!“ Ok, denke ich, mit dieser Empfehlung sollte es ja klappen mit den Tickets. In besagtem Laden selbst faltet gerade eine osteurop├Ąische Dame hinterm Schreibtisch einen pakistanischen Prospektverteiler f├╝r Hop- on/Hop-off-Busfahrten zusammen. Dann l├Ąchelt sie mich freundlich an. ich sage: „Ibra schickt mich!“ „Ah, Ibrahim!“ Den kennt sie wohl, doch die Kombitickets f├╝rs Foro und Colosseo hat sie leider nicht. Naja, dann eben an den Bahnhof und einen ├ľPNV-Fahrplan kaufen. So eine Art ├ťbersprunghandlung.

„Ich kann dir den hier verkaufen, aber Du kannst es auch online machen!“ Der freundliche Mann hinterm Schalter schiebt mir den Plan unten dem Glasfenster durch und ich glaube zu h├Âren, dass er mir noch viel Gl├╝ck w├╝nscht. Wir schlagen das Machwerk auf und ich ├╝berlege, dass das doch ein tolles Motiv f├╝r eine Wandtapete abgeben w├╝rde. Ob es zu unserer Orientierung hilft – so ganz ohne Kartographie-Studium – wird sich weisen.

atac Fahrplan Rom

atac Fahrplan Rom

Wir laufen also los, ohne Tickets f├╝rs Foro, aber daf├╝r mit der Hoffnung, dass antiken Marktplatz weniger los ist als am Colosseo. Und so ist es auch. Wer ist schlie├člich so dumm und geht bei 35┬░ mitten in der Mittagshitze ins Foro Romano, wo es kaum Schatten gibt? Wir, nat├╝rlich, und Hunderte anderer Touristen, die das antike Ruinenviertel mit Leben f├╝llen. Und mit Schirmen. Gehetzte Gruppen werden von den Guides durch das Foro gelotst.

 

Foro Romano - mittendrin

 

Foro Romano von oben

Foro Romano von oben

Manchmal rennen wir hinterher – quasi als Bildungsaasfresser. Englisch geht, Russisch leider nein, nur sieht man den Guides ja nicht vorher an, welche Sprache sie sprechen. Und wenn man ihnen zu auff├Ąllig folgt, verstummen sie pl├Âtzlich wie von Geister- bzw. G├Âtterhand. Gut, dann m├╝ssen wir uns wohl doch die ganzen Info-Tafeln durchlesen.

Foro Romano - der Plan

Foro Romano – der Plan

Nach gut drei Stunden haben wir nicht einmal ein Drittel des Foro gesehen, daf├╝r aber auf die Uhr geschaut. Schnell noch ins Colosseo. Da stehen sie dann wieder, die Skip-the-line-Verk├Ąufer. Wir sind ganz cool, lassen die fliegenden Betr├╝ger links liegen, warten nur eine halbe Stunde und kippen vorher das mitgebrachte Wasser auf ex runter, denn Liquids sind verboten. Drinnen aber kann man gratis Wasser aus dem Wasserhahn haben.

Im Colosseo verliere ich zum ersten Mal Geld. Man hatte mir n├Ąmlich gesagt, dass in Rom lauter Typen rumrennen, die einem anbieten, ein Foto von einem zu machen und dann die gierige Hand aufhalten. Ich aber knipse die russische Dame f├╝r lau. Wobei, Sie schenkt mir ein A big Dankesch├Ân! Die spanische Familie vor mir auf einer der Aussichtsplattformen ger├Ąt in Streit. Der Vater ist entt├Ąuscht vom Innenleben des Colosseo.

Colosseo Insights

Colosseo Insights

Au├čen sei es ja sch├Ân, aber innen… Die Tochter verteidigt das Monument, es sei doch schlie├člich ein Weltkulturerbe. Das MUSS einem doch gefallen, INNEN wie AU├čEN. Nichts zu machen, der Vater beharrt auf seiner antiken Einsch├Ątzung. Ich kann mitunter nachvollziehen, dass der Iberer das alles irgendwie f├╝r einen Haufen lieblos aufget├╝rmter Steine h├Ąlt, nehme mich aber in meiner Einsch├Ątzung zur├╝ck.

Das Colosseo schlie├čt, aber meine Frau ist noch lange nicht am Ende. Schlie├člich muss sie morgen wieder zur├╝ck nach Deutschland und will noch was von Rom sehen. Irgendwohin in die Innenstadt, sagt sie. Ok, Piazza Navona geht immer, denke ich. Nachdem wir aufgrund heftiger Diskussionen zwei Busse verpasst haben, steigen wir in den (sogar richtigen) n├Ąchsten ein. Und ebenso richtig wieder aus. Irgendwo am Corso di Rinascimento und unweit des Palazzo Madama, dem Sitz des Senats.

Piazza Navona

Piazza Navona

Dann m├╝ssen wir eigentlich nur noch den Massen und Schildern folgen und schon stehen wir auf der Piazza Navona, dem Geburtsort eines meiner Roma-Theoreme: Alle fliegenden Laserpointer-, Wasser- und Gummiband-Helikopter-H├Ąndler kommen aus Bangladesch und alle Stra├čenmusiker spielen Wish you where here. Im Laufe der n├Ąchsten Tage w├╝rde ich noch weitere Lehrs├Ątze aufstellen, doch die Verifikation dieses ersten verbuche ich als erst einmal als Erfolg. Eine Niederlage hingegen muss ich allerdings auch einstecken.

Das Bitten und Betteln meines Sohns, ihm doch einen Laserpointer zu kaufe, trotzt all meinen Vernunftsversuchen. Am Ende handel ich mit dem Verk├Ąufer aus: Ein Laserpointer und zwei Gummiband-Flieger f├╝r 10 Euro. Sein Einkaufspreis liege bei 6 Euro, sagt er mir auf Nachfrage. Nicht, dass es irgendeinen Unterschied machen w├╝rde. Dann verpasse ich auch noch meinen n├Ąchsten monet├Ąren Einsatz und fotografiere wieder einmal Gruppen von Touris, ohne dabei die Hand aufzuhalten oder mit dem iPhone zu t├╝rmen.

Und wenn ich schon mit der Hand an fremden Ausl├Âsern bin, sollte doch noch ein Selfie drin sein. Meine Frau und mein Sohn schauen mich vorwurfsvolll an und deuten auf einen Mann, der inmitten der Piazza steht und ein Schild um Bauch und R├╝cken tr├Ągt: No-Selfie-Project! Keine Ahnung, was meine Familie hat. Schlie├člich habe ich doch kein Selfie mit IHM gemacht. Finger weg vom Ausl├Âser ist indes auch ein guter Tipp, wenn man nicht von den Tarot-Frauen beschimpft werden will.

No Selfie Project Piazza Navona

No Selfie Project Piazza Navona

Derart geschlagen und weitere 13 Euro ├Ąrmer f├╝r doch sehr leckeres Eis, wollen wir zur├╝ck ins Hotel und dank erstem Studiums des Fahrplans wissen wir sogar, welche Busse wom├Âglich in Frage k├Ąmen. Gut zudem, dass mich meine Frau abends zuvor gezwungen hat, die Haltestellenschilder an unserer Station zu fotografieren. Das wird sp├Ąter l├Âblich zur Kenntnis genommen werden seitens eines Franzosen im Bus. Jedenfalls f├╝hrt uns unser Heimweg vorbei am Pantheon und im Slalomlauf um weitere fliegende H├Ąndler.

Fermata Santa Maria Maggiore

Fermata Santa Maria Maggiore

Ich deute auf meinen Sohn und seinen Laserpointer, zeige die beiden Flieger und schw├Âre, dass ich wirklich keine weiteren brauche. Wie viel ich bezahlt h├Ątte, will einer wissen. „10 Euro!“ „Ich verkaufe dir das f├╝r 8!“ „Aber was soll ich denn mit zwei Laserpointern und vier Fliegern?“ Er zuckt die Achseln, l├Ąchelt und geht weiter, nicht aber bevor er mir erkl├Ąrt hat, wie man an diesem verflixten Laserdingern Einzelstrahl und Muster einstellt.

Langsam kommen wir weiter, zumindest ein St├╝ck. Ich habe n├Ąmlich einen Tabacchi entdeckt und will mich mit MS-Zigaretten eindecken. Vor mir eine US-Amerikanerin, die ein P├Ąckchen Zigaretten mit Kreditkarte bezahlen will. Geht leider nicht. Abheben? Nein, das k├Ânne sie nicht. Sie geht und ich komme dran. Die Verk├Ąuferin wirft einen „Ach, diese Touris“-Blick zu, ich freue mich, nicht als solcher erkannt zu werden und zahle bar. Im Bus selbst schiebt sich noch eine Familie mit Kinderwagen freundlich rein. Seinen Unterarm ziert ein AS-Roma-Tatto und sie sprechen Deutsch und Italienisch. Abwechselnd und akzentfrei.

Am Ende eines wundersch├Ânen, langen Tages, schufte ich mich erneut die Treppen und endlosen Korridore hoch in den 6. Stock , w├Ąhrend meine Frau und mein Sohn es sich im ersten Stock gem├╝tlich machen. Am n├Ąchsten Morgen wird meine Frau sagen, dass sie es verstehen w├╝rde, wenn ich eventuell ihre Aussichtsambitionen verflucht haben sollte. So auf dem Weg nach oben.

4. Katzen und Vittoriano
Abreisetag f├╝r meine Frau. Die F├╝├če meines Sohnes und auch meine freuen sich etwas, aber ansonsten sind wir nat├╝rlich traurig. Bis n├Ąchste Woche in Deutschland, sagen wir uns und schon ist ihr Bus in Richtung Flughafen Ciampino weg. Ich bin mit meinen Gedanken noch halb bei ihr und zur anderen H├Ąlfte schon beim Planen des restlichen Tages.

Stimmt, Katzen kraulen steht noch auf dem Programm. Inmitten der Ausgrabungsst├Ątte Area Sacra am Largo di Argentina, haben sich patente Katzensch├╝tzerinnen und Katzensch├╝tzern ausgesetzter, zahmer und stark beeintr├Ąchtigter Felinen angenommen. Hausbesetzer seien sie eigentlich, sagt mir eine der freiwilligen Helferinnen. Ein paar W├Ârter Deutsch spricht sie auch, was meinen Sohn erfreut. Mehr aber ist er davon fasziniert, die Katzen mit dem Laserpointer aus dem Schatten der Ruinen zu locken.

R├Âmischer Katzenschatten

R├Âmischer Katzenschatten

Nein, er spricht kaum Italienisch, sage ich ihr. Sie erkl├Ąrt mir daraufhin die Evolution der Italiener in Deutschland: Arbeitsmigranten, Italo-Deutsche, Deutsche. Aber ja, die Katzen. Die Stadt Rom, sagt sie mir, wolle die Helferinnen und die Katzen eigentlich loswerden, um hier Shops mit Souvenirs zu er├Âffnen. Dabei machten sie doch die Arbeit, f├╝r die die Stadt eigentlich verantwortlich sei. Und Katzen in Ausgrabungsst├Ątten und auf Tempelruinen seien ja schlie├člich ein beliebtes Postkarten- und Kalendersymbol.

R├Âmische Katzentatzen

R├Âmische Katzentatzen

Da muss ich zustimmen, auch wenn ich sagen muss, dass ich den Calendario Romano auch nicht weniger repr├Ąsentativ und sogar viel authentischer finde. Sacerdoti sexy, also attraktive Priester, die von Januar bis Dezember jedes Ambiente noch anbetungsw├╝rdiger gestalten.

Ich zeige ihr zum Abschied noch einen kleinen Absatz in meinem Reisef├╝hrer, der ihrer Katzenstation und Arbeit gewidmet ist. Begeisterung! Und sie h├Ątten nicht einmal daf├╝r bezahlt, sagt eine andere Frau. Und ├╝brigens, Fernpatenschaften f├╝r Katzen seien auch m├Âglich. Ja, aber emein Sohn will die Katze auch mitnehmen, wenn er (respektive ich) daf├╝r bezahlt. Also kaufe ich uns mit einer Spende von 5 Euro frei.

Mein Sohn und ich ziehen weiter und lassen den antiken Streichelzoo hinter uns, um uns dem Seelenbalsam des italienischen Risorgimento zu widmen – dem Vittoriano. Dem Reisef├╝hrer zufolge nennen es die R├Âmer wahlweise Schreibmaschine oder auch einfach nur Monster. Tats├Ąchlich ist es ein Nationaldenkmal, das megalomanischer nicht sein k├Ânnte.

Vittoriano mit M├Âwe

Vittoriano mit M├Âwe

Ein Bauwerk, das von einem riesigen Streitwagen, wuchtigen S├Ąulen und nat├╝rlich von der Ewigen Flamme am Grabmal des unbekannten Soldaten akzentuiert wird. Ein Monument, das dem Gr├╝ndungsk├Ânig Vittorio Emanuele II. gewidmet ist. Doch als es 1911 fertig gestellt wurde, war der schon lange verwest. Aber ja, Gr├Â├čenwahn ├╝berdauert Zeit und Raum und zieht eben an.

Wir laufen also hinein, dann hoch und vorbei am Eingang zum Museo del Risorgimento. Da gibt es eine Ausstellung ausgemusterter Flaggen, das Sacrario delle Bandiere, die ich gerne sehen m├Âchte, aber meinen Sohn dr├Ąngt es weiter nach oben, vorbei an B├╝sten toter, gefallener und vergessener Kriegsm├Ąnner des sp├Ąten 19. und fr├╝hen 20. italienischen Jahrhunderts.

Vittoriano

Vittoriano

Wir ersp├Ąhen den gl├Ąsernen Aufzug und sind erstaunt: Keine Schlange, keine Kasse. Das ├Ąndert sich, als der Aufzug herunterkommt, eine nette Frau uns nach unseren Tickets fragt und – als unsere Antwort ausbleibt – mir zuvorkommend erkl├Ąrt, dass gleich hinter der gl├Ąsernen, fahrenden Kabine a) die Kasse und b) die gar nicht so lange Schlange sei. Macht 7 Euro f├╝r Erwachsene und 3,50 Euro f├╝r Kinder.

Die Fahrt nach oben ist kurz, doch lange genug, damit ich es mir verkneife, der netten Dame zu sagen, dass sie wenigstens die Scheiben putzen k├Ânnten, wenn sie schon 10,50 Euro f├╝rs Hoch- und Runterfahren im gl├Ąsernen Aufzug verlangen. Nat├╝rlich entsch├Ądigt die Aussicht vom obersten Tableau aus. Hinten das Foro und das Colosseo, vorne zur Piazza Venezia und weiter Richtung Nordwesten (sch├Ątze ich).

Auf dem R├╝ckweg sollte die Flaggensammlung noch drin sein, doch wir verlaufen uns und landen in der Ausstellung Barbie.The Icon, die irgendwie dahin gekommen zu sein scheint. Also nix wie weg, meint nicht nur mein Sohn.

5. Villa Borghese
Wir schreiben den 15. August. Ferragosto in Italien, Mari├Ą Himmelfahrt in Bayern und alles ist zu. Nur die Villa Borghese nicht, ein weitl├Ąufiger und wundersch├Âner Park direkt an der Piazza del Popolo. Kostet keinen Eintritt und wenn man es sich verkneifen kann, sich mit einem Ruderboot mitten in den Verkehrsstau auf dem kleinen See zu begeben und auch den Segways und Fahrr├Ądern widersteht, gibt man wirklich kein Geld aus, um irgendwo rein, hoch oder runter zu kommen. Ungew├Âhnlich f├╝r Rom.

Villa Borghese

Villa Borghese

Zudem ist es im Vergleich zu anderen Orten in der Ewigen Stadt, fast schon gespenstisch leer. Umso entspannender f├╝r uns beide. Nach einigen Stunden Seele baumeln lassen und Vater-Sohn-Gespr├Ąchen, ziehen wir zur├╝ck in Richtung Piazza del Popolo und hoch auf eine wundersch├Âne Plattform, der Piazzale Napoleone III. Wieder Aussicht, Wasserverk├Ąufer aus Bangladesch und eine Geigenspielerin. Dazu eine herrenlose Hundeleine mit AS-Roma-Emblem. „Nein, die k├Ânnen wir nicht mitnehmen!“ Das findet mein Sohn unverst├Ąndlich, bis ich (wahllos) auf einen freilaufenden Hund deute. Er nickt, immer noch skeptisch.

6. Die Heilige Schrift
Irgendwann muss man ja zur Himmelfahrt antreten. Mein Sohn und ich nehmen die Metro. Ist bequemer und direkter, wenn man die obligatorischen fliegenden Verk├Ąufer und „Willst-Du-die-Lange-Reihe-├╝berspringen?-Anbieter mittlerweile gekonnt umschifft. „Mir gefallen lange Reihen!“ schmettere ich der mich bedr├Ąngenden Frau noch beim Vorbeigehen hinterher. Auf Spanisch.

Papales posen

Papales posen

„Ok, Petersdom und dann Vatikanischen Museen?“ „Museen? Nein, ich will die toten P├Ąpste sehen!“ „Na gut!“ Ich knicke ein und wir ├╝berqueren die Staatsgrenze. Laxe Kontrollen und eher kurze Wartezeiten machen mich stutzig. Drinnen dann Atemberaubendes und Raum stehlendes Rucksack-an-Rucksack-Dr├Ąngeln. Massen schieben und bewegen sich durch die heiligen Hallenund unz├Ąhlige Volunteers ermahnen zu bedeckten Schultern und Knien, zum Aufstehen und zur kontemplativen Stille.

Genug vom Irdischen, wir wollen hoch, mitten hinein in die Domkuppel. 6 Euro die Stufen, 8 Euro der Aufzug. Das Kind zahlt nicht. 521 Stufen sind nicht ohne, daf├╝r aber mit Verarsche, wie ich sp├Ąter herausfinden werde. Denn mit dem Aufzug erspart man sich nur die „einfachen“ Stufen.

Engelsburg- und -br├╝cke

Engelsburg- und -br├╝cke

Petersdom-Platz

Petersdom-Platz

Die wirklich harte Tour ganz oben in die Kuppel hinein muss man so oder so zu Fu├č machen. Mir reicht der mittlere Ausblick runter in den Dom. Mein Sohn aber will h├Âher hinaus und reiht sich in die Schlange all jener ein, die keine Platzangst haben. Ich muss passen und warte unten auf ihn. Zwischendurch eine SMS. Vor meinem Sohn schleppt sich wohl eine schwangere Frau hoch und er hat Angst, dass ihre Niederkunft unmittelbar bevorsteht.

Petersdom von fast ganz oben

Petersdom von fast ganz oben

Nach langer Domkuppel-Kolonne hoch und runter, treffen wir uns unten wieder. Jetzt noch zu den Papstgr├Ąbern. Ganz interessant, vor allem das Petrus-Grab hinter Glas. Petros Eni, nur bitte keine Fotos. Leider weise ich meinen Sohn zu sp├Ąt auf dieses Verbot hin und auch als er es zur Kenntnis genommen hat, h├Ąlt es ihn nicht davon ab, den Ausl├Âser am iPod „zuf├Ąllig“ nochmals zu bet├Ątigen.

Noch eine letzte Etappe steht jetzt an: Die Vatikanische Post. Wir haben versprochen, Postkarten zu schreiben, also neben den unz├Ąhligen What’s-App-Nachrichten und Fotos via iMessage. Was kann es sch├Âneres geben, als postalische Gr├╝├če aus dem sendegesegneten Postamt zu erhalten? Tja, nur schreiben sich Postkarten auch im Vatikan nicht von Gotteshand. Kugelschreiber: 1,50 Euro. Daf├╝r aber wenigstens ein authentisches Souvenir.

Heilige Schrift

Heilige Schrift

7. Tomba di Nerone und Fontana di Trevi
Passend zum bevorstehenden Abschied aus Rom, gehen mein Sohn und ich zu den Toten. Genauer gesagt, begeben wir uns in den Untergrund der Basilica di Santa Maria del Popolo. Hier soll die Asche von Nero beigesetzt (oder sagen wir verbuddelt) worden sein. Eine sch├Âne Ausstellung, doch f├╝r 15 Euro dann doch zu kurz. Zudem werde ich von meinem Sohn gedr├Ąngt, die Infotafeln schneller zu lesen bzw. zu ├╝bersetzen. Simultandolmetschen war nie meine St├Ąrke.

Nero unterirdisch

Nero unterirdisch

Gut, dann lassen wir die unterirdische Stimmung mal wieder ├╝bersprudeln – an der Fontana di Trevi. Der Weg entlang der Via del Corso f├╝hrt uns an einem weiteren Heiligtum vorbei, dem Official Fan Store der AS Roma. Am Ende werden wir in diesem Totti-Tempel mehr Zeit verbringen als an der Fontana di Trevi. Die ist voll und sch├Ân und wenn man einen Platz am Brunnenrand findet, kann man nat├╝rlich die obligatorische M├╝nze ├╝ber die Schulter werfen. Mein Sohn aber konterkariert diese Tradition, denn er nimmt Geld mit.

1-Renminbi-Schein frisch vom Trevi-Brunnen

1-Renminbi-Schein frisch vom Trevi-Brunnen

Einen 1-Renminbi-Schein, im Gegenwert von rund 13 Cent. Wahrscheinlich meine Strafe daf├╝r, dass ich sein sporadisches Meckern ├╝ber zu viele Chinesen in Rom (in personae und mit ihren L├Ąden) immer wieder abzuschw├Ąchen versuchte. Manisch multikulturell, eben.

Fontana di Trevi

Fontana di Trevi im R├╝cken

Post Scriptum
W├Ąhrend wir in der Hotellobby darauf warten, dass es Nachmittag wird und wir unseren Zug zum Flieger nehmen k├Ânnen, finde ich endlich Zeit, die Repubblica vom Sonntag zu lesen. Der Brief an den Herausgeber, verfasst von James Fontanelle-Khan und Carlo Invernizzi-Accetti, einem Financial-Times-Korrespondeten respektive einem Politikwissenschaftler und beide mit italo-amerikanischen Wurzeln und Verbindungen.

Multiculturalismo in der Repubblica

Multiculturalismo in der Repubblica

Kurzer Abriss dieses interessanten Statements: Die Linke darf auch in Italien das Thema Multikulti nicht zum Tabu erkl├Ąren, sondern muss es besetzen – mit einem Bekenntnis zu Pluralismus und Gleichheit und dem Schutz fundamentaler Werte zugunsten einer lebensf├Ąhigen, multikurutellen Gesellschaft. Nicht als Vision, sondern als bereits bestehende Realit├Ąt.

Vorher kramen die beiden noch etwas in der US-Multikulti-Mottenkiste aus dem sp├Ąten 19. Jahrhundert und zitieren die New Orleans Times, die ihrerseits ├╝ber die italienischen Einwanderer st├Ąnkert, weil die sich (anders als die Deutschen und Briten), einfach nicht integrieren lassen wollen und immer ihre eigene Pasta kochen. Aber ja, auch Integration macht Sommerpause, denke ich mir, w├Ąhrend der tunesische Receptionist die ├ťbergabe mit seinem ├Ągyptischen Kollegen bespricht – ganz selbstverst├Ąndlich auf Italienisch.

Sommerpause f├╝r Fl├╝chtlinge Via Napoli/Roma

Sommerpause f├╝r Fl├╝chtlinge Via Napoli/Roma

Am Ende einer einmaligen Erkundungstour durch eine schier undurchdringlich und doch so offenen Stadt, ist es die 7, die von vorneherein alles gepr├Ągt, uns durch Rom bewegt und 7 N├Ąchte lang hat tr├Ąumen lassen: 7 Euro f├╝r jedes Bier, 7 H├╝gel, die Settebello (die „sch├Âne Sieben“, die italienischen Wasserballer in Olympia, die Bronze gewannen), 7 Euro Eintritt hier und da und vnat├╝rlich Bus u(rbana) 717, der uns mehr als einmal fast vor die Hotelt├╝r gefahren hat.

Zur├╝ck in Deutschland, warten wir lange auf unseren Shuttle-VW-Bus, gequ├Ąlt von einer durchgehenden Sirene unten am Parkdeck. Irgendwann kommt der Fahrer, scheinbar aufgeschlossener als bei der Anreise. Auf der Fahrt erfahre ich noch, dass seine Frau Polin, sein Sohn Kickboxer und auf einem Sommercamp in Polen gewesen sei („Nur weil seine Mutter Polin ist, hei├čt das ja noch nicht, das er Polnisch spricht.“). Und ja, das Viertel, in dem er wohnt, sei nicht einfach, aber er kommt zurecht. Und weil er Mindestlohn bekommt, muss er sich nicht um Bankgesch├Ąfte k├╝mmern. Aufs Konto, runter vom Konto. ├ťbrig bleibt nichts. Danke, 2 Euro Trinkgeld. Rein ins Auto und ab nach Hause.

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Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.