StrateKien

StrateKien
StrateKien

Grobe Manieren und die feine Manipulation bestehender Begrifflichkeiten sind gĂ€ngige Zutaten des Erfolgsrezepts jeder politischen Hackfresse, die auch kaum zugĂ€ngliche ProvinzbĂŒhnen unermĂŒdlich beackern, bis sie den Bodensatz der WĂ€hlerschaft endlich erreicht haben. Dann aber ist Schicht im Schacht und wenn der schließt, kommt der Strukturwandel und zu weit ins ReaktionĂ€re reichende  Visionen werden zu politischen Naherholungsgebieten. Und dort kommt es ja nicht selten zu Konflikten, ausgelöst durch Problempflanzen der invasiven Art.

Dass Björn Höcke zu denen gehört, die sich dem Schutz der heimischen Flora und Fauna verschrieben haben, wird er selbst ja nicht mĂŒde zu betonen – vor allem auf den Veranstaltungen der braun-besorgten Botaniker, die Grund und Boden durch das Trampeln der Kolonnen schwerer FlĂŒchtlingsfĂŒĂŸe bedroht sehen.  Also sichert sich der AfD-Mann fĂŒrs grobe GĂ€rtnern und soufflierte SĂ€en gleich das televisive Terrain, lĂ€sst sich auch von Heiko nicht Maasregeln, und stapft von einer Jauch-Grube in die nĂ€chste. Ist dem Mann fĂŒr ThĂŒringen und die Welt aber auch Rot-, Leber- oder SĂŒlzwurst, denn heimlich lacht er sich ins FĂ€ustchen, weil er weiß: Es wĂ€chst mehr im Garten, als man gesĂ€t hat.

Route der Pegida-Demos ©Marcello Buzzanca

Route der Pegida-Demos ©Marcello Buzzanca

Die Witzfigur macht SpĂ€ĂŸe am Rande
Die Saat scheint aufzugehen. Bisher nĂ€mlich versteckte Höcke sich dahinter dass er – am 01. April geboren – in den Augen vieler eigentlich nur eine Witzfigur sein kann. Aber das ist er nicht, denn er versteht keinen Spaß. Das gilt vor allem dann, wenn man seine glasklaren Aussagen einfach falsch versteht und ihn LĂŒgen presst. So wie letztens, als er am 21. November um 18:30 Uhr auf dem III. Staatspolitischen Kongreß »Ansturm auf Europa« seinen Vortrag „Asyl – eine politische Bestandsaufnahme“ hielt. Gequirlte Scheiße als Quickie in Schnellroda. Der Veranstalter, das Institut fĂŒr Staatspolitik, hatte sich natĂŒrlich im Vorfeld bemĂŒht, jede NĂ€he zum k(n)ackbraunen Rand mit distanziertem Grammatikgebrauch zu begegnen. Kongreß und nicht Kongress. Damit das klar ist.

Ebenso dediziert und intellektuell distanziert war dann wohl auch Höckes Vortrag. Der hatte ĂŒberhaupt nichts Rassistisches und Null NĂ€he zu nationalsozialistischem Gedankendreck. Vielmehr war es fĂŒr Höcke eine Art therapeutische Sitzung, die er wahrscheinlich mit stehendem Applaus beendete. Eigentlich nĂ€mlich wollte Björn ja Anwalt werden.

Als ihm aber klar wurde, dass Rechtswissenschaften auch von Linken studiert werden, wollte er Biologie belegen, weil da die hĂŒbschesten MĂ€dchen waren. Aber die fanden ihn irgendwie hĂ€sslich. Und dann blieb ihm nicht mehr viel. Also entschied er sich fĂŒr Sport und Geschichte und musste dann in der Turnhalle einer kooperativen Gesamtschule mitansehen, wie HauptschĂŒler und Gymnasiasten zusammen unterrichtet wurden. Von ihm! Und in Geschichte wollte auch keiner seine larmoyanten Vergeltungsparolen zur Vertreibung seiner Großeltern mehr hören.

Arschtritt mit Stiefel und Versen. ©Peter Starke

Arschtritt mit Stiefel und Versen. ©Peter Starke

Pausenbrot-Tokat und Kartoffeldruck
Das war dann der Knackpunkt. Jetzt beschloss Björn, sich zu rĂ€chen – an den Biologen, die ihn nicht wollten. An der eigenen PromiskuitĂ€t, die ihn zum vierfachen Vater machte und an den HauptschĂŒlern, die ihm immer seine Turnhose herunterzogen oder an Karate-Kid-Kollega, der ihm nach der Schule regelmĂ€ĂŸig auflauerte und Tokat mit Björns Pausenbroten machte.

Das Konglomerat dieser Komplexe ergab letztlich, dass Höcke sich einfach mal auskotzen musste. Und weil mit 65 Euro Eintritt auch das Recht auf frĂŒhzeitiges Verlassen der Veranstaltung abgegolten war, konnte er sich endlich einer großen und ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein. Und die nutzte er dann auch. Er klappte Sarrazins Abschaffungsbuch auf, irgendwo, ganz willkĂŒrlich. Und dann ersetzte er ganz einfach Muslime durch Afrikaner und „Eroberung durch FertilitĂ€t“ durch „r-Strategie“ hohe Wachstumsraten und den Ausbreitungstyp. Fertig war sein Vortrag. Zumindest beinahe.

Denn ein Furchtloser stand plötzlich auf und zitierte aus dem Spektrum Kompaktlexikon der Biologie: „Die Charakterisierung als r- oder K-Strategie ist nicht absolut, sondern relativ zueinander: Von zwei zu vergleichenden Arten ist immer eine etwas stĂ€rker K-, die andere etwas stĂ€rker r-selektiert.“

Das war Björn Höcke aber dann auch egal, hatte er sich doch schon schweißgebadet in seine Deutschlandfahne gehĂŒllt und bereits den nĂ€chsten Coup geplant: Den Italienern, die es wagen, Satire zu schreiben statt Pizzateig in die Luft zu wirbeln, mal so richtig an den Fiat zu pinkeln – und zwar so heftig, dass sie danach in Richtung Bella Italia zurĂŒckjuckeln. „Denn in Italien, liebe Gesinnungsgendarme, wird unser Johannes Gutenberg als Erfinder des Kartoffeldrucks verunglimpft!“

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.