Trumps‘ Plantation

Trumps‘ Plantation
Trumps‘ Plantation

Manche sagen ja, dass man bei Wahlen seine Stimme in Urnen zu Grabe tr├Ągt. Und damit es auch jeder sieht und wei├č, setzt man auch gleich noch ein Kreuz drauf. Aber ganz so stimmt das wohl nicht. Vielmehr geht es ja um eine ├ťbertragung der ├ťberzeugung, ein Verpflanzen der Verantwortung. Schlie├člich ist die eigene Stimme ja ein Organ, das man folglich und ├Ąhnlich dem Herzen und anderen Vitalfunktionstr├Ągern transplantieren lassen kann, zumindest auf dem Papier.

Was wir aber jetzt in den USA gesehen haben, ist eine neue Qualit├Ąt der politischen Transplantation. Denn viele hatten darauf gehofft, dass diese Operation am offenen Verstand misslingen w├╝rde. Tats├Ąchlich aber haben die D├Ąmonoskopen wohl die Dump-for-Trump-Bewegung ├╝bersehen, also jene unsichtbaren und ungebildeten Erstw├Ąhler, deren Zucken im Zeigefinger zum Wahlsieg von Donald Trump f├╝hrte.

Keine Ahnung, Hauptsache tanzen!
Aber ja, am Ende habe ich keine Ahnung. Das geht ├╝brigens vielen US-Korrespondenten genau so, wenn sie heute Morgen im Radio gefragt wurden, wie sie das jetzt alles einsch├Ątzen. „Da bin ich momentan leider ├╝berfragt!“ Das war im Prinzip auch die Standard-Replik aus Berlin, wenn es um die Zukunft der deutsch-amerikanischen Freundschaft ging.

Donald-Trump-Caricature-_A58752051_┬ęclipdealer.de

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Dabei liegt die Antwort doch in der Vergangenheit – bestens dokumentiert in einem der gr├Â├čten Hits der NDW-Band Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF): Der Mussolini. Da geben die Pioniere der Elektronischen Musik doch klare und einfach verst├Ąndliche Anweisungen, wie man sich im Angesicht von Diktatoren bewegen soll: In die Knie gehen, in die H├Ąnde klatschen, die H├╝ften bewegen und dann einfach tanzen – den Mussolini, den Hitler, den Jesus Christus und den Kommunismus.

Mariachis an die Macht
Aber was beklagen wir uns Europ├Ąer eigentlich, zumal noch so dissonant? Schlie├člich sind es doch jetzt eher die Mexikaner, die Bimmelbammel haben sollten. Daf├╝r aber sind sie dann doch zu lebensfroh und werden wom├Âglich sogar zu Trumps Vereidigung die Klampfen konzertieren:

Cielito Lindo

De la Sierra Morena,
Cielito lindo, vienen bajando,
Un par de ojitos negros,
Cielito lindo, de contrabando

Ay, ay, ay, ay,
Canta y no llores,
Porque cantando se alegran,
Cielito lindo, los corazones

Diese Ode an das sch├Âne Himmelchen ist eine Hymne an den Frohsinn, ein Aufruf zum Singen statt zum Seufzen. Und ja, contrabando – also Schmuggelware – ist nat├╝rlich auch dabei. Am Ende erscheint Antonio Banderas, der ein wenig desperado ist ob dieses Wahlausgangs, und packt die Gitarre aus. Doch bevor er die Seite zupfen kann, springen Marc Anthony, Jennifer Lopez und Gloria Estefan auf die B├╝hne und rocken den Rambo-Rumba. Derweil lauert Manu Chao im Hintergrund, setzt seinen Anden-Helm auf und will schon „Me llaman el Clandestino“ anstimmen, als urpl├Âtzlich Elvis Crespo aus der Versenkung erscheint.

Donald-Trump-Riding-Republican-Elephant_A61947734-┬ęclipdealer.de

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Und dann ist alles zu sp├Ąt: Suavementeee, beeesameeee! Dieser Klassiker der Merengue-Moderne ist ein veritables Transplantations-TNT, verwandelte es doch praktisch alle M├Ąnner in Hinterhof-Latino-Schuppen in echte H├╝ften-Honks. Pequena hechate pa ca‘. Komm, kleine, schieb deinen Hinter r├╝ber. Pussygate f├╝r Philanthropen, as you wil so.

Achtung, Ironie inside!
Am Ende sollte es uns nicht erschrecken, DASS Donald Trump der 45. Pr├Ąsident der Entzweiten Staaten von Amerika wird, sondern vielmehr WANN diese Entscheidung f├╝r uns getroffen wurde. An einem 09. November, an dem historisch betrachtet, eine Mauer fiel. Und genau an diesem Tag wird ein Mann Pr├Ąsident der USA, der genau so eine Mauer wieder bauen will. Ganz konkret und mit Concret aus den Staaten, nat├╝rlich.

Was soll man dazu noch sagen? Trumpltier? Oder Trumputin, vielleicht? Das haben andere schon besser in Wort und Schrift gefasst. TrumpOrbanistisch? Auch kein guter Gag! Wortakrobatien wie Trumpolin? Yepp, besser, vor allem mit Hinblick auf den Trampolin-K├Ârperkoordinationstest (TKT). Bei diesem Verfahren n├Ąmlich untersuchen Mediziner und Therapeuten koordinative Auff├Ąlligkeiten, die auf motorische St├Ârungen und Hirnsch├Ąden hinweisen k├Ânnten.

Aber warum nur ├╝ber Donald Trump reden und ihn nicht selbst zu Wort kommen lassen? Schlie├člich sind ja alle sprachlos und wer keinen US-Amerikaner als Experten in sein Studio einladen kann, damit er oder sie uns helfe, das alles einzuordnen, kann doch ruhig mal den Staatsmann-Statisten etwas sagen lassen: Trump, ganz konziliant, gratuliert Hillary Clinton zu ihrer Kampagne, tauft dann seinen Wahlkampf schnell in eine Bewegung um, der Amerikaner aller Rassen, Religionen und Ethnien angeh├Âren. Darauf skizziert er kurz seinen Businessplan, spricht von Br├╝cken, Tunneln, Flugh├Ąfen und anderer Infrastruktur, die er erneuern will.

Nat├╝rlich wird er das Wirtschaftswachstum verdoppeln und mit allen Nationen auskommen, die auch mit ihm auskommen wollen. „Common ground not hostility.“ Keine Ahnung, wie gro├č dieser Common Ground sein muss, damit sein Ego neben dem von Putin und anderen Kombat-Gratulanten der ersten Stunde Platz findet. Andererseits werden sich die Europ├Ąer so klein machen, dass Trump wiederum ausreichend Raum hat, um sich territorial und in weiteren Trump-Towern festzusetzen. So wird ihn keiner mehr ├╝bersehen, auch wenn man die n├Ąchsten vier Jahre am liebsten die Augen voe ihm verschlie├čen w├╝rde.

About the author

Marcello Buzzanca ist freier Texter, Redakteur, Blogger und Autor.